Püttgeschichten

Wecker für Bergleute

Wecker

Wecker für Bergleute sind bei dem Wechsel der Schichtzeiten, wodurch eine Gewöhnung an eine bestimmte Zeit des Aufstehens-, wie in anderen Berufen, fortfällt, notwendig, um Verspätungen bei Schichtanfang zu vermeiden. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß Bergleute in der Nachbarschaft die Uhrzeit erfragen müssen, wie es jetzt schon häufig vorkommt, weil keine Uhren mehr vorhanden sind.
Falls diese Ausführungen nicht genügen, um die unbedingt erforderliche Behebung des Fehlens der angeführten Mangelwaren zu erklären, wird eine Grubenfahrt einen verantwortlichen Herren des Wirtschaftsamtes mit einem Vertreter der Bergbehörde an einem zu vereinbarenden Tage vorgeschlagen.

 Auszug aus einem Brief an das Wirtschaftsamt Recklinghausen vom 13.01.1946: Versorgung der Bergleute mit Mangelwaren

Wettermännern fehlt die Taschenuhr

Taschenuhr

An das Bergamt Recklinghausen II, (Brief vom 1.Juni 1946)

...Ferner klagt ein Teil der Wettermänner darüber, daß das Beschreiben der Wettertafeln, welches bekanntlich längstens 3 Stunden vor der Anfahrt der Morgenschicht erfolgen darf, mit genauer Zeitangabe nicht möglich ist, weil ihnen die Taschenuhr fehlt.

Dieser Mangel wirkt sich für den Betrieb immer nachteiliger aus und wir bitten auch von dort alles zu versuchen, um den betreffenden Belgschaftsmitgliedern zu den Besitz einer Taschenuhr zu verhelfen.

Zeugnis des ehemaligen Grubeninspektors Hilgenstock

Hilgenstock Zeugnis

Der Grubeninspektor Ewald Hilgenstock, geboren am 12.Januar 1899 ist, soweit hier bekannt ist, im Jahre 1932 als Fahrsteiger von der Schachtanlage Shamrock 1/2 nach der Schachtanlage General Blumenthal der Bergwerksgesellschaft Hibernia versetzt worden. Nachdem er hier mehrere Jahre lang als Obersteiger tätig war, ist er im Jahre 1936 zum Grubenbetriebsführer des gesamten Untertagebetriebs der Schachtanlage General Blumenthal 1/2/5 und 3/4/6/7 befördert worden. Seit 1943 war Hilgenstock Grubeninspektor und stellvertretender Werksleiter. Dem Unterzeichneten ist er seit April 1941 aus dem dienstlichen Verkehr des Bergamts mit der Zechenverwaltung bekannt.
Seinen Aufstieg bis zum Grubeninspektor hat Hilgenstock offenbar durch harte Arbeit ermöglicht. Seine überragenden bergmännischen Fähigkeiten, sein gutes Organisationstalent und seine fortschrittliche Einstellung zu technischen Fragen und Problemen dürften zusammen mit einem unermüdlichen Leistungswillen dazu geführt haben, ihn schon in jungen Jahren mit den Aufgaben und Geschäftskreisen zu betreuen, die er durchgeführt bezw. ausgeübt hat.
In die Zeit seiner Betriebsführertätigkeit fiel u.a. die Schlagwetterexplosion im Flöz Gretchen im Jahr 1937 und der Grubenbrand im Blindschacht 19 im Jahre 1942. Der erstgenannte Unfall forderte 16, der zweite 6 Menschenleben. Bedroht waren in beiden Fällen weit mehr Menschen. So wurden am Blindschacht 19 von etwa 120 bedrohten Menschen 114 lebend und unverletzt geborgen. Die Rettungsarbeiten gelangen nicht zuletzt durch die besonnene und tatkräftige Haltung des Grubenbetriebsführers Hilgenstock, dessen verdienstvolles Wirken in der Verleihung des Grubenwehrehrenzeichens seine Anerkennung gefunden hat.
Seine technische, organisatorische und berufsfachliche Befähigung spiegelt sich in dem Zustand der Grubenverhältnisse der Schachtanlagen General Blumenthal insofern wieder, als die von Hilgenstock getroffenen Maßnahmen nicht allein einer fachlichen scharfen Kritik standhalten sondern auch bergmännisch technische Lösungen aufweisen, die auch in sicherheitlicher Hinsicht grundlegend neu und richtungsweisend für die Zukunft sind. Seine besondere Sorge galt der Frage der klimatischen Verhältnisse unter Tage, die wirtschaftlich wie sicherheitlich von gleich großer Bedeutung ist. Hilgenstock setzte hier gegen erhebliche Widerstände seine besseren Erkenntnisse und Erfahrungen zum Besten seiner arbeitenden Belegschaft durch.
Monate hindurch vertrat er seinen abwesenden Werksdirektor ohne seinen eigentlichen Aufgabenkreis aus dem Auge zu lassen. Er ist ein fachlich überdurchschnittlich begabter Bergmann, dessen Tätigkeit in sicherheitlicher und wirtschaftlicher Hinsicht erhebliche Erfolge zu verzeichnen gehabt hat.

Recklinghausen, den 7. Januar 1947