4-2 Erweiterung von Kohlenwäsche, Kokerei und Kraftwirtschaft


KokskohlenturmKokskohlenturm

Um die geförderten Fettkohlen voll auszunutzen, geht man vom Jahre 1911 ab zum Kokereibetrieb über. Dieser hatte eine Ausgestaltung der Nußkohlenwäsche zur Feinkohlenwäsche zur Folge. Auf die erste Ofenreihe von 75 Kopperschen Regenerativ-Öfen mit Nebengewinnung folgt im Jahre 1912 eine Kokskohlenschwemmsumpfanlage und eine zweite gleichartige Reihe von 60 Öfen, für die die zur Feinkohlenwäsche umgebaute Aufbereitung von Ewald 3/4 die Kokskohlen liefert. Gleichzeitig werden die Kohlenwertstoffanlagen erweitert; eine Teerdestillation wird errichtet und in Betrieb genommen. Im Jahre 1917 werden zusätzlich 60 Koksöfen von der Zeche Ewald übernommen, die dort nur etwa sechs Monate betrieben und dann abgebrochen wurden. Die Leistung der Feinkohlenwäsche wird 1917 von 840 auf 1.200 Tonnen in 14 Stunden erhöht.

Bis 1919 ist die Teerdestillation mit hohem Aufwand nach Norden versetzt und vergrößert sowie ein zusätzlicher Kokskohlenturm mit 1.500 cbm Inhalt einschließlich Reserve für eine mögliche vierte Koksofengruppe errichtet. Eine bis dahin nur für Amerika gebaute Kokslösch- und -Verladeeinrichtung liefert das Ofenbauunternehmen Koppers zweifach. Zwei neue elektrische Füllwagen werden von der Schalker Eisenhütte bezogen. Die Ammoniak- und die Benzolfabrik werden 1915 erweitert, um auf Veranlassung der Heeresleitung verdichtetes Ammoniakwasser für die Salpetersäureherstellung auf der Zeche Lothringen in Gerthe liefern zu können.

Durch eine im Jahre 1919 in Betrieb genommene Schlammwäsche wird der Aschegehalt des Schlammes soweit vermindert, daß dieser ohne Nachteil dem Koksofen zugesetzt werden kann.

Als Kokereibeamte erscheinen 1919 die Namen Gößling, Demtröder, Ritter, Schierbaum, von Sondern.


Im Jahre 1920 geht eine neue Kohlenwäsche für zweimal 150 Tonnen Kohlen stündlich mit einem 1.500 Tonnen Kohlen fassenden Rohkohlenbunker in Betrieb.

Ab 1921 führt ein Ändern der Koksofenform und das Verwenden von Silika-Steinen für die Ofenwände zu kürzeren Garungszeiten als bisher etwa 32 Stunden je Ofenfüllung und damit zu einer Durchsatzerhöhung der Öfen.

Auf der Kokerei kommen im Jahre 1928 nochmals 60 neue und größere Öfen einschließlich eines Turmes für 3.000 Tonnen Kohlen hinzu; auch die Koksbrecher und die Benzolfabrik werden erweitert und es wird ein Kokskohlenlagerplatz geschaffen. Als Kokereiassistenten bzw. Koksmeister erscheinen die Namen Knepper, Lohmann und Hegenberg.

In der Wäsche werden 1929 die Kohlenschlämme durch eine Flotation mit Trommelfiltern aufbereitet und Sieberei und Verladung erweitert.

Seit Inbetriebnahme der Kokerei im Jahre 1911 wird Dampf, der ausschließlich als Kraftquelle dient, auch aus deren Abgasen erzeugt. Der zur Verfügung stehende Gasüberschuß führt zum Bau eines elektrischen Kraftwerks, das seit dem Jahre 1913 auf das sämtliche Ewald-Anlagen verbindende Kabelnetz arbeitet. Die starke Ausweitung der "Maschinenarbeit" - auf eine Tonne Tagesförderung entfallen 1921 bereits rd. 5 PS - erfordert eine kontinuierliche Erweiterung der Kesselanlagen. Aus Kostengründen werden Schlammkohle und Koksgrus verfeuert, alte Flammrohrkessel durch Wasserrohrkessel mit hoher Dampfspannnung ersetzt und die Rauchgaswärme zur Speisewasservorwärmung ausgenutzt.

Durch die vergrößerte Kondensationsanlage wird die Dampferzeugung weiter verbessert. 1921 wird das Kesselhaus mit der Begründung, sich vorsorglich gegen einen Wassereinbruch schätzen zu müssen, nochmals um 10 Wasserrohrkessel für 13 Atü Druck und 320 qm Heizfläche erweitert, um eine zusätzliche 6.400 kW Turbine zur Stromerzeugung zu betreiben. Die Kessel haben Wanderroste, Überhitzer, Vorwärmer, Speisewasseraufbereitung und werden mechanisch beschickt und entascht. In ihrer Ausführung ist die Anlage auf wärmewirtschaftliche Ausnutzung und Bedienungskosten besonders fortschrittlich. Es sind jetzt drei Turbogeneratoren mit zusammen 13,2 MW elektrischer Leistung vorhanden.

In der Kraftwirtschaft kommen 1929 wegen Erweiterns der Kohlenwertstoffanlagen und geplanter Stickstofferzeugung nochmals vier Schrägrohrkessel von je 500 qm für 22 Atm und 380 °C mit Wanderrostfeuerung hinzu.   

 


 

Zur Deckung des steigenden Druckluftverbrauchs geht bereits 1919 ein Druckluftverdichter für 16.000 cbm Luft stündlich in Betrieb. 1929 wird ein weiterer Turbokompressor von 25.000 cbm Leistung angeschlossen.

 



Maschinenhaus auf Ewald FortsetzungMaschinenhaus auf Ewald Fortsetzung