1-5 Absatzregelung


Die Kohlenförderung des ersten Förderjahres von 11.482 Tonnen geht je zu 4.900 Tonnen in den Selbstverbrauch bzw. über Eisenbahn weg, rd. 1.100 Tonnen Kohlen werden ins Land abgesetzt und rd. 600 Tonnen Kohlen gehen in den Ringofen der Ziegelei.

Durch den Syndikatsvertrag vom 19. Februar 1893, der bis zum 1. März 1898 geschlossen wird, verpflichten sich die meisten Ruhrzechen, vom 1. März 1893 an ihre gesamte Erzeugung an Kohlen, Koks und Briketts dem Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat zum Verkauf zur Verfügung zu stellen.

Die Beteiligungsziffern werden durch eine Kommission aufgrund der Förderung in den Jahren 1892/93 festgesetzt. Neu in Betrieb kommende Schachtanlagen erhalten je Arbeitstag und Förderschicht eine Beteiligungsziffer von 400 Tonnen, wobei Doppelschächte als zwei Anlagen angesehen werden.
Um die Förderung der Absatzlage anzupassen, wird von der Zechenbesitzerversammlung jeweils eine entsprechende prozentuale Einschränkung der Beteiligungsziffer beschlossen. Überbeschäftigte Zechen haben für die Mehrförderung je Tonne eine von der Mitgliederversammlung festzusatzende Abgabe zu zahlen, für Minderabsatz wird an die betreffenden Zechen eine Entschädigung je Tonne gezahlt.

Noch vor Ablauf des ersten Syndikats wird bis zum 31. Dezember 1905 ein neues Syndikat gebildet, da die Zustimmung, für jeden neuen Förderschacht eine Zusatzbeteiligung von 400 Tonnen je Arbeitstag und Förderschicht zu beanspruchen, zum Bau einer großen Zahl sogenannter "Syndikatsschächte" und damit zu großen Unzuträglichkeiten bei der Festsetzung der Beteiligungsziffer führt. Der neue Vertrag bindet die Bestimmung über die Zuteilung einer Förderquote für neue Schächte an bestimmte technische Voraussetzungen.

Dem Syndikat gehört die Gewerkschaft Ewald seit seiner Gründung mit einer Beteiligungsziffer von 462.988 Tonnen Kohlen an, die sich aufgrund nachgewiesener vergrößerter Förderfähigkeit bis zum 1. Januar 1900 auf 882.988 Tonnen erhöht und am 15. Mai desselben Jahres eine Steigerung um 120.000 Tonnen erfährt.

Bereits im Oktober 1902 berichtet der Vorstandsvorsitzende Hagedorn über angebahnte Verhandlungen beim Kohlensyndikat wegen des Beitritts von Ewald Fortsetzung zum Syndikat mit einem Schachtförderquantum von 600.000 Tonnen Kohlen. Nach Fertigstellung der beiden Schächte würden die Fördereinrichtungen bequem 1,8 Millionen Tonnen Kohlen im ganzen jährlich fördern können. Die Verhandlungen gestalten sich jedoch sehr schwierig

Im Juni 1903 ist der Vorstand der Auffassung, Ewald Fortsetzung müsse selbständige Gewerkschaft bleiben, um vom Verkaufssyndikat eine höhere Kohlenabsatzquote zu erhalten; der Kohlenliefervertrag zwischen den Zechen sei aber aufzulösen, weil der Kohlentransport von Ewald nach Ewald Fortsetzung und der anschließende Verkauf nach den Bestimmungen des Syndikats unzulässig sei. Der Vertrag wird gelöst. Die im Felde Ewald Fortsetzung von der Gewerkschaft Ewald ausgeführten Anlagen bleiben deren Eigentum. Der Gewerkschaft Ewald wird zu Lasten der Gewerkschaft Ewald Fortsetzung eine Entschädigungssumme gutgeschrieben, die mit 4% jährlich zu verzinsen ist.

Gegen Ende der Bauzeit wenden sich Grubenvorstand und Verwaltung wie folgt an die kapitalgebenden Gewerken: “Somit ist die Anlage pünktlich nach dem Plane unter Aufwendung großer Mittel ohne Rücksicht auf die schwankende Konjunktur von Monat zu Monat gefördert und haben wir bereits beim Syndikate Schritte zur Erreichung einer die Prosperität von Ewald Fortsetzung sichernden Beteiligungsziffer eingeleitet."

Im September 1903 verhandeln Vorstandsvorsitzender Hagedorn und Bergwerksdirektor Ruschen weiter mit dem Syndikat. Gesprächspartner sind die Herren Bergrat Graßmann, Direktor Unkel und zeitweise auch geheimer Kommerzienrat Emil Kirdorf. Ruschen trägt vor, es würde sehr nachteilig für seine Gesellschaft sein, Ewald Fortsetzung erst zum April 1904 die Quote zuzuteilen; es ginge darum, die Quote auf Ewald statt auf Ewald Fortsetzung zu fördern. Hagedorn erklärt, er brauche vom Syndikat Angaben, welche Beteiligung es für Ewald Fortsetzung vorsehe. Schon für April 1902 habe das Syndikat 60.000 Tonnen Kohlen zugesagt. Er fordere eine schriftliche Zusage über 840.000 Jahrestonnen Kohlen. Bergrat Graßmann stellt mündlich und unverbindlich 600.000 Tonnen Kohlenbeteiligung in Raten verteilt bis Oktober 1905 in Aussicht, ohne daß das Fördervermögen probeweise nachgewiesen werden muß. Das jedoch nur, wenn die Zeche Ewald Fortsetzung die Gewerkschaft Ewald kommt. Kirdorf hegt hingegen Bedenken, daß Ewald Fortsetzung 600.000 Tonnen Kohlen zugebilligt werden, zumal die Zeche Friedrich der Große bei vier Schächten über eine geringere Förderquote verfüge und nichts dazu bekomme.

Schließlich kann jedoch der Grubenvorstand den Gewerken am 19. September 1903 verkünden: “Wir machen Ihnen hierdurch die erfreuliche Mitteilung, daß die Zeche “Ewald Fortsetzung” mit einer Beteiligungsziffer von 600.000 Tonnen in das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat aufgenommen worden ist. Von diesen 600.000 Tonnen sind uns 120.000 Tonnen zum 1. Oktober ds. Js., 90.000 Tonnen zum 1. April 1904, 90.000 Tonnen zum 1. Oktober 1904, 150.000 Tonnen zum 1. April 1905 und die letzten 150.000 Tonnen zum 1. Oktober 1905 zugestanden."

Um diese Zeit leben im deutschen Kaiserreich rd. 56 Millionen Menschen. Adel, Großgrundbesitz, Unternehmer, höhere Beamte und Ärzte umfassen rd. 300.000 Familien. Im Reichstag sind der Stärke nach vertreten die Zentrumspartei, Sozialdemokraten, Konservative und Nationalliberale. Industrieerzeugung und Außenhandel stehen an dritter Stelle hinter den Vereinigten Staaten von Amerika und England. In Preußen leben rd. 34 Millionen Menschen. Es umfaßt seit 1815 auch das Vest Recklinghausen nördlich der Emscher von Bottrop bis Dortmund, in das der Steinkohlentiefbau nach 1850 vorzustoßen beginnt. Das durchschnittliche Volkseinkommen beträgt in Preußen 504 Mark je Kopf. Schwerindustrie gibt es in Schlesien, Sachsen, an der Ruhr und an der Saar. An den in Westeuropa geförderten rd. 400 Millionen Tonnen Steinkohlen jährlich ist das Deutsche Reich mit rd. 110 Millionen Tonnen Kohlen beteiligt. Im Gebiet der Flüsse Ruhr und Emscher werden etwa 60 Millionen Tonnen Steinkohlen jährlich gehoben; hierzu trägt die Gewerkschaft Ewald mit rd. einer Million Tonnen Steinkohlen bei.