2-8 Technische Ausgestaltung des Tagesbetriebes

Mit der Aufnahme der Kohlenförderung ist die Ausgestaltung der Tagesanlagen bei weitem nicht abgeschlossen. Sie ist gekennzeichnet durch das Bemühen, die Schachtförderleistung des Bergwerks abzusichern und absatzfähige Fertigprodukte herzustellen. So erhält der Schacht 1 zwei Fördereinrichtungen, denen zwei Lesebänder nachgeschaltet sind. Die Förderung behindernde Schachteinbauten werden in den Wetter- und Pumpenschacht 3 gelegt. Die Fördereinrichtung Schacht 3 mit zwei Körben für je drei Wagen geht 1904 in Betrieb. Die Wagen fassen 0,75 cbm Rohkohle.

Hauptgrundriss
Hauptgrundriss

Die Forderung an das Kohlensyndikat nach einer Förderaufnahme von 600.000 Tonnen Kohlen begründet der Vorstandsvorsitzende Hagedorn ausdrücklich damit, daß nach Fertigstellung der beiden Schächte die Fördereinrichtungen "bequem 1,8 Millionen Tonnen Kohlen im ganzen jährlich fördern können."

Im Juni nimmt für die Grubenwasserhebung auf der 700m-Sohle eine Kolbenpumpe mit Zahnradvorgelege für das Heben von 2 cbm Wasser minütlich den Betrieb auf. Sie erhält ihren Strom aus dampfbetriebenen, besonderen Drehstromgeneratoren. Es sitzen 60 Liter Wasser minütlich zu. Die Grubenwässer sind bisher mit Kästen in der Nebenförderung Schacht 1 gehoben worden.

 

Schächte 1 und 3
Schächte 1 und 3

Für Abwässer werden drei Klärbecken aufgestellt, ferner werden die zentrale Abortanlage und der Benzinlagerraum für die Wetterlampen in Betrieb genommen. Die Kesselanlage erhält Wellrohrschüsse, Speisewasserreinigung, Aschenaufzug und wird um zwei auf zehn Kessel erweitert. Das Büro- und Kauengebäude werden in Betrieb genommen.

Zur Aufbereitung heißt es im Jahresbericht für 1904: "Mit dem Bau einer Wäsche und Separation wurde begonnen. Die stündliche Leistung soll 150 Tonnen betragen. Die Arbeiten werden von der Maschinenbauanstalt Humboldt, Kalk bei Köln, ausgeführt."

Weiter heißt es: "Die elektrische Kraftanlage wurde fertigmontiert und in Betrieb genommen. Die Betriebsmaschine dieser Anlage ist eine Tandem-Compound-Maschine, geliefert von der Maschinenbau Aktiengesellschaft Union in Essen. Die Leistung der Maschine beträgt 650 Pferdestärken bei 94 Touren. Der zur Maschine gehörende Drehstromgenerator liefert Strom von 2.000 Volt Spannung und 151 Ampere. Der erzeugte Strom soll zum Antrieb der Wäsche- und Separationsmotoren dienen."

Über Tage werden 1905 Sieberei, Verladung und Wäsche endgültig fertig, ebenso das Werkstattgebäude.

In der Wäsche werden die Rohförderkohlen zu Stück- und Nußkohlen unterschiedlicher Größe aufbereitet. Es verbleiben Rohfeinkohlen unter 10mm Korngröße. Dank weitestgehendem Aushalten der Steine schon vor dem Beladen der Förderwagen in der Grube haben die Rohkohlen damals nur höchstens 12 bis 15% Berge. Bei unreiner Beladung drohen Geldbußen bis zu 5 Mark monatlich, daher müssen auch nur noch wenige große Bergestücke am Leseband von Hand ausgeklaubt werden. Die Rohnußkohlen werden auf Wassersetzmaschinen nach der Wichte in Berge, Mittelgut und Kohle getrennt. Die Stückkohlen bestehen aus den härteren Gaskohlen, als Brennstoff für Dampflokomotiven aller Eisenbahnen sehr begehrt. Die Nußkohlen dienen, meist nach weiterer Aufteilung in vier Korngrößen zwischen 80 und 10 mm Durchmesser als Nuß 1 bis Nuß 4 bezeichnet, dem Hausbrand. Die Rohfeinkohlen, deren Anteil man von geschätzt etwa 25 bis 30% durch schonende Gewinnung und Beförderung des Fördergutes vom Streb bis in die Sieberei so klein wie möglich zu halten versucht, müssen bis 1911 unaufbereitet abgesetzt bzw. teils mit dem Mittelgut zur Energieerzeugung verfeuert werden. Erst nach Errichten einer Feinkohlenwäsche mit Schwemmsümpfen können sie ab 1912 zu Kokskohlen aufbereitet werden.

Primärmaschine der elektrischen Kolbenwasserhaltungsmaschine
Primärmaschine der elektrischen Kolbenwasserhaltungsmaschine

Als Waschmeister erscheinen 1910 die Namen Weber und Lucas, der Verlademeister heißt Bolz.

Der Selbstverbrauch an verwertbarer Förderung zur Deckung des eigenen Energiebedarfs und vermutlich auch für verbilligte Kohlen an die Belegschaft, jedoch ohne den Ziegelofenverbrauch, beträgt 5 bis 15% der Fördermenge. Die Waschberge laufen in Förderwagen über die Transportbrücke zur Halde oder Ziegelei, soweit sie nicht den steilen Streben als Sturzversatz zugeführt werden.

Die Zechenbahn erhält eine Reservelokomotive, ihre Rampen erhalten Geländer und Prellsteine, die Telefonstation im Sammelbahnhof wird fertig. Entlang der Entladegleise und auf dem Zechenplatz wird mit Packlage und Kleinschlag ein Weg angelegt. Mehrere Bogenlampen gehen in Betrieb.

Für die Erzeugung von Arbeitsdampf mit 10 Atm wird ab 1906 das Kesselhaus um vier auf vierzehn Kessel mit je zwei Flammrohren und Zentralkondensation südlich der Maschinenhalle erweitert, um einen zusätzlichen Grubenlüfter für 10.000 cbm Wetter je Minute und einen weiteren Kolbenverdichter für 8.000 Ncbm Luft stündlich und eine weitere Schleuderpumpe für 4 cbm Wasser je Minute antreiben zu können. Maschinenhalle ist das heutige Magazingebäude. Das Stahlbauunternehmen Pfingstmann stellt die Brücke zwischen Kaue und Schacht fertig.

Eine neue Waschkaue für 3.250 Mann mit anschließenden Büroräumen geht 1907 in Betrieb.

Zeche Ewald Fortsetzung von Osten
Zeche Ewald Fortsetzung von Osten

Übersichtsplan
Übersichtsplan

Ein 13 km langes 10 kV-Erdkabel mit 3 mal 70 qmm Querschnitt und ein Telefonkabel über den Schacht Ewald 5 in Stuckenbusch entlang der Zechenbahn nach General Blumenthal und der Dortmunder-, Horneburger- und Stimbergstraße verbindet ab 1908 die elektrischen Kraftwerke der Zechen Ewald in Herten und der Zeche in Erkenschwick.

Wie das Jahrbuch genau berichtet, sind über Tage 17 Motore, 639 Glühlampen, 58 Bogenlampen und in der Grube zwei Motore und 54 Glühlampen angeschlossen. Für Licht- und Kraftzwecke soll Erkenschwick zu 0,12 bzw. 0,08 Mark je Kilowattstunde Strom erhalten bei Abnahme von mindestens 200.000 Kilowattstunden jährlich. Auch die Straßenbahn soll ab 1909 mit Strom versorgt werden. Nebengewinnung und Benzolfabrik gehen Ende 1911 in Betrieb. Kokereibetriebsführer ist der in Bottrop geborene 33-jährige Alex Grüter, vorher Kokerei De Wendel in Hamm.
Es wird eine Kokskohlensetzmaschine mit Schwemmsümpfen für das Entwässern der Kohlen errichtet.

Ab Ende 1911 ist der Schacht 3 zusätzlicher Förderschacht mit Zwillingsdampfmaschine in neuem Gebäude und mit neuem Fördergerüst. Die Maschine hat 1.200 PS und reicht für 36 Züge stündlich mit zwei Körben zu je acht Wagen bei 5.200 kg Nutzlast.

Zwillings-Tandem-Verbund-Fördermaschine
Zwillings-Tandem-Verbund-Fördermaschine auf Ewald Fortsetzung, Schacht 3

Elektrisches Kraftwerk Ewald Fortsetzung
Elektrisches Kraftwerk Ewald Fortsetzung

Die Transportbrücke zur Bergehalde wird erneuert. Zwei Dampfkessel kommen hinzu. Acht Dampfkessel können mit Abgasen der Kokerei beheizt werden. Eine zweite Kohlenschwemmsumpfanlage und eine zweite Gruppe von 60 Koppers Regenerativkoksöfen werden 1912 fertig. Die Kohlenwertstoffanlagen werden erweitert und eine Teerdestillation wird errichtet und in Betrieb genommen.

Benzolfabrik Ewald Fortsetzung
Benzolfabrik Ewald Fortsetzung

Im Jahre 1912 werden bei einer Förderung von 543.222 Tonnen Kohlen 145.689 Tonnen Koks, 2.591 Tonnen Ammoniak, 8.162 Tonnen Teer und 1.515 Tonnen Benzolwaren erzeugt.

Schon zum Teufen des Schachtes 4 Ende 1913 werden sechs Kessel je 110 qm Heizfläche des Unternehmens Crange, Gelsenkirchen, zu insgesamt rd. 68.000 Mark aufgestellt, die Teufeinrichtung zu 73.000 Mark liefert das Unternehmen Großmann in Dortmund. Die Zechenanschlußbahn, für das Abteufen erforderliche Gebäude, die Werkstatt und eine Dampfkabelwinde sind fertig bzw. vorhanden.

Über Tage kommen weitere 14 Kessel für ein "Kraftwerk" von zwei Trubogeneratoren mit je 3.200 kW Leistung für zwei Schleuderpumpen mit je 6 cbm Wasser je Minute für die Wasserhaltung hinzu. Die Generatoren sind gleichzeitig als Reserve für die Zeche Ewald in Herten gedacht. Die Kesselheizfläche ist mit über 3.500 Quadratmetern bereits größer als auf den alten Ewald-Zechen in Herten und Resse zusammen.

Eine weitere Abwasserleitung zur Emscher mit 500 mm Durchmesser wird fertig.

Wie bereits erwähnt, werden im Jahre 1913 laut Geschäftsbericht aus 335.000 Tonnen Kohlen, das ist die Hälfte der Förderung, in 135 Öfen 257.000 Tonnen Koks, 14.000 Tonnen Teer, 4.450 Tonnen Ammoniak und 2.750 Tonnen Benzol erzeugt, die guten Absatz finden.

Kokereiassistenten sind damals Hölting, Kreft, Flunkert, Claus u.a. Als Koksmeister erscheinen die Namen Müller und Hartmann.