2-6 Erweiterung des Absatzmarktes

Zwecks Übernahme der Syndikatsbeteiligung der südlich von Essen an der Ruhr gelegenen Zeche Eiberg ermächtigen im März 1904 die Gewerken den Grubenvorstand zum Erwerb dieser Zeche durch Ewald für insgesamt 5,3 Millionen Mark und zur Aufnahme einer weiteren Anleihe von 4 Millionen Mark zu 4,5% Zinsen. Hagedorn hatte vorgetragen, für die Entwicklung der Gesellschaft müsse die Beteiligung beim Kohlensyndikat unbedingt erhöht werden, und das erfordere diese weitere Anleihe; sie werde sich glänzend rentieren und leicht zu tilgen sein. Die Zeche Ewald Fortsetzung solle soviel Kohlen fördern wie die alten Ewald-Zechen. Die guten Aufschlüsse von Ewald Fortsetzung verlangten mehr als die gewährten 600.000 Tonnen Kohlenbeteiligung, die zu 1,6 Millionen Tonnen Gesamtbeteiligung der Gesellschaft geführt habe. Auf den Zechen Ewald und Ewald Fortsetzung könne bei einer Förderung von 1,6 Millionen Tonnen Kohlen jährlich und rd. 2,7 Millionen Mark Ausgaben für Ausbeute, Steuern, Zinsen und Abschreibungen ein verfügbarer Überschuß von mehr als 2 Millionen Mark “gebaut” werden.

Der größte Teil der 120.000 Tonnen Kohlen umfassenden ersten Förderrate vom Oktober 1903 wird jedoch den alten Ewald-Zechen zugewiesen, um dort von Januar bis März 1904 nicht noch mehr als 45 Schachtförderschichten ausfallen lassen zu müssen. Daher kann Ewald Fortsetzung in dieser Zeit nur 4.000 Tonnen Kohlen monatlich oder 160 Tonnen Kohlen arbeitstäglich fördern.

Im Juni 1904 berichtet der Grubenvorstand den Gewerken, sowohl der bevorstehende Kauf der Zeche Eiberg durch “Ewald” als auch Gerüchte, eine Bergwerksgesellschaft wolle "unsere Zeche" kaufen, haben die Kuxenkurse von "Ewald" stark steigen lassen.

Er sei wie die meisten Gewerken gegen Verkauf oder Aufgabe der Selbständigkeit der Zeche "Ewald" und ersuche die Gewerken dringend, ihre Kuxen nicht zu verkaufen, da "der heutige Kurs dem inneren Werte unserer Zeche noch lange nicht entspricht" und bei später besserer Auslastung der Zechen infolge noch zustehender steigender Förderbeteiligung "weit günstigere Werte als bisher zu erwarten sind. Möge deshalb jeder Gewerke an seinem Besitz festhalten."

Bereits im März 1908 berät der Grubenvorstand, wie der im Jahre 1915 auslaufende Syndikatsvertrag mit höherer Kohlenförderbeteiligung erneuert werden kann. Er beschließt, eine neue Schachtanlage statt im Grubenfeld Haus Aden im Felde Ewald Fortsetzung 2000 Meter östlich der alten Schachtanlage zu errichten. Gleichwohl befürchtet er, daß diese Neuanlage nach den Bestimmungen des Syndikatsvertrages - im Gegensatz zu einer solchen im unverritzten Felde Haus Aden - rechtlich keine höhere Förderbeteiligung auslösen würde. Er glaubt jedoch, diese zu erreichen, weil die Gesellschaften Graf Bismarck, Friedrich der Große und andere in ähnlicher Lage seien und man gemeinsam auftreten könne.

Hof Dillenburg
Hof Dillenburg

Als Gelände für die Neuanlage werden bereits 1908 die rd. 400 Morgen große Dillenburg vom Herzog von Arenberg zu rd. 900.000 Mark Anzahlung und der rd. 100 Morgen große Möltkensche Hof für 200.000 Mark erworben. Auch der Erwerb der Höfe Martmann, Herbert und Schulte Hubbert ist im Gespräch.

Es wird ein Bahnanschluß zur alten Schachtanlage beschlossen. Diesen geplanten Bahnanschluß über die alte Schachtanlage nach Sinsen betrachtet man 1908 als eine Übergangslösung, denn der Vorstand faßt eine künftige Verbindung nach Süden zur Reichsbahnlinie bei Suderwich ins Auge und begründet, daß er es "unter Berücksichtigung der großen Entfernung der neuen Anlage von dem Bahnhofe Sinsen sowie der Unzuträglichkeiten, die später höchstwahrscheinlich zu erwarten sind, wenn zwei so große Schachtanlagen nur eine Anschlußverbindung besitzen, nicht allein für höchst vorteilhaft, sondern geradezu für unbedingt erforderlich hält, daß demnächst von der neuen Schachtanlage aus ein zweiter Bahnanschluß, und zwar nach der Osterfeld-Hammer Bahn, hergestellt wird."

Die Kosten der Neuanlage einschließlich Richtstrecken und Querschläge werden ab 1908 bis 1913 auf rd.6 Millionen Mark geschätzt und sollen entweder, wie es heißt, "durch die Überschüsse aus dem Betrieb der alten Schachtanlage gedeckt werden können, so daß nur vorübergehend mit Bankschulden gerechnet werden muß, oder durch Kündigung der 4 Millionen Mark Anleihe und Wiederaufnahme einer 10 Millionen Mark Anleihe." Wenige Wochen später wird das Projekt Schacht 4 jedoch zunächst zurückgestellt. Doch bereits 1909 beginnen die Verhandlungen über Grunderwerb für die Zechenbahn zum geplanten Schacht 4 mit den Eigentümern Ww. Wilhelm Gößling, Frentrup, Arndt, Sonntag, Bergmann, Tönnies, Hölscher, Engelkamp, Jeismann, Sternemann. Der Erwerb zu durchschnittlich 3.750 Mark je preußischen Morgen zieht sich bis 1912 hin. Das Teufen des Schachtes 4 in Rapen beginnt jedoch mit fünf Jahren Verzögerung erst im Jahre 1913.

Das Bemühen um eine Ausweitung des Produktangebotes auf dem offensichtlich immer stärker umkämpften Energiemarkt, mit dem Plan zur Vergabe eines Auftrages zum Bau von 75 Regenerativ-Koksöfen einschließlich Kohlenwertstoffgewinnungsanlage, beginnt.

Kokerei Ewald Fortsetzung
Kokerei Ewald Fortsetzung

Gegen Ende 1910 erhält die Firma Koppers in Essen für 835.000 Mark den Auftrag zum Bau von 75 Regenerativ-Koksöfen einschließlich Kohlenwertstoffgewinnung und Mitte 1911 die Firma Weusthoff in Bochum den Auftrag zum Bau und Betrieb einer Benzolfabrik für 260.000 Mark. Die Firma garantiert dem Vorstand beim Einsatz von mindestens 135.000 Tonnen Kohlen je Jahr und 8,2 kg Benzolerzeugung je Tonne Kohle einen Reingewinn von 70.000 Mark. Die Anlagen gehen ab Oktober 1911 mit einer Syndikatsbeteiligung von 93.750 Tonnen in Betrieb.

Teerdestillation Ewald Fortsetzung
Teerdestillation Ewald Fortsetzung

Im Jahre 1912 wird die Kokerei um 60 Öfen mit entsprechender Nebengewinnung erweitert und eine Teerdestillation geht in Betrieb. Zum Oktober 1912 wird die Koksquote über die kokereilose Zeche Ewald in Resse um 100.000 Tonnen auf 200.000 Tonnen erhöht, nachdem diese ihre Kokskohlen nach Ewald Fortsetzung gibt.

Im Juni 1911 erfahren die Gewerken, der für den Bau der Zeche veranschlagte Finanzbedarf mit den 1902 bewilligten Anleihemitteln sei wegen nachträglichen Baus nicht vorgesehener und Vergrößern ursprünglicher Anlagen wie auch wegen beschleunigten Ausbaus infolge Übernahme der Förderquote von der Zeche Eiberg erheblich überschritten. Es sei wider Erwarten nicht gelungen, den größten Teil des Geldbedarfs aus Betriebsüberschüssen zu decken, weil die wesentlich schlechtere allgemeine Geschäftslage auch die Ergebnisse der Gesellschaft erheblich verschlechtert habe. Hierdurch sei die Bankschuld schon Ende 1910 auf 4.874.596 Mark angestiegen. Es werde daher vorgeschlagen, die 1904 aufgenommene 4,5 prozentige 4 Millionen Mark Anleihe, von der noch 3,76 Millionen Mark umliefen, zu kündigen. Zu deren Rückzahlung und zum Abbau laufender Schulden könne eine neue hypothekarisch einzutragende Anleihe aufgenommen werden. Da ein Beschluß hierüber Dreiviertelmehrheit erfordere, werde um Übersenden einer in Blanko unterzeichneten oder auf ein Vorstandsmitglied lautenden Vollmacht gebeten, sofern man nicht selbst zur Abstimmung kommen könne. Eine Beglaubigung der Vollmacht erübrigt sich. Nach der wenig später stattfindenden Gewerkenversammlung nimmt die Gesellschaft eine 4,5 prozentige Anleihe in Höhe von 10 Millionen Mark auf.