2-4 Grubensicherheit und Bergbehörde

Wetterführung und Grubengasbekämpfung werden schon in den ersten Jahren schwierig. Zum Schutz der Belegschaft bemühen sich deshalb Bergbehörde und Verwaltung gleichermaßen, die sicherheitstechnischen Einrichtungen ständig zu verbessern. So vereinbart bereits 1904 der Bergrevierbeamte mit der Verwaltung das Beobachten möglicher Abbaueinwirkungen auf den Schacht 1 und wegen Schlagwettergefahr und Kohlenstaubansammlungen elektrische Zündung bei der Sprengarbeit und Spritzwasserleitungen. Gegen Wassereinbrüche schützt man sich durch den Bau von Wasserdämmen in der Hauptquerschlagsachse nach Norden und Süden auf der 695m-Sohle.

Die Verwaltung berichtet 1904: “Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht verfehlen, Gerüchten, die auch uns in den letzten Tagen zur Kenntnis gelangt sind und wonach unsere neue Schachtanlage “Ewald Fortsetzung” von einem Schachteinbruch und Wasserdurchbruch betroffen wäre, entgegenzutreten, indem wir erklären, daß diese Gerüchte in jeder Weise auf Unwahrheit beruhen.”

Bis 1913 wird die Kapazität der Wasserhaltung von 2 cbm Wasser minütlich 1904 mit einer weiteren Schleuderpumpe von 4 cbm Wasser je Minute in 1908 und durch zwei weitere Schleuderpumpen mit je 6 cbm je Minute Leistung in 1913 auf 22 cbm Wasserleistung minütlich erweitert. Die hohe Leistung wird vorgehalten als Sicherheit bei möglichen Wassereinbrüchen; normalerweise fließt nur höchstens 1 cbm Grubenwasser minütlich zu.

Im Jahre 1906 sind Rettungstrupps, Krankenwagen und Feuerwehr vorhanden. Die Gerätschaften der Rettungstrupps sind für alle Zechen der Gesellschaft. Ausbildung und Leitung der Truppe obliegt einem mit Sicherheits- und Feuerlöschdienst betrauten Beamten.

Der Revierbeamte berichtet im Mai von einem Strebbruch im Flöz 1 und von Schlagwettern, “die im Lampenkorbe schlugen”. Für Juni meldet er, im Flöz 5 seien Ausbau, Sonderbewetterung und Signalanlagen mangelhaft, im Flöz 6 lagere zu viel trockener Kohlenstaub. Im Juli schreibt er dem Vorstandsvorsitzenden Hagedorn: “Die unterirdischen Verhältnisse ihrer Schachtanlage Ewald Fortsetzung nehmen nachgerade so bedenkliche Formen an, daß dadurch das Leben und die Gesundheit der Bergleute äußerst bedroht erscheinen.” Er fordert, jeden Betriebspunkt in jeder Schicht mindestens zweimal von einem Beamten befahren zu lassen.

1908 wird die Wetterführung durch einen Hauptreservelüfter für 10.000 cbm minütlich weiter gesichert.

Obwohl der Bergrevierbeamte noch Anfang 1909 bemerkt, daß die auf der Zeche vorhandenen 6.000 cbm Abwetter je Minute am Wetterschacht im Vergleich mit den Wettermengen der Nachbargruben Emscher-Lippe, General Blumenthal und König Ludwig, auf die jeweilige Tagesfördermenge Kohle dieser Schachtanlagen bezogen, zwei- bis viermal so hoch sind, wird die Gasbekämpfung schwieriger. Neben häufig auftretenden Bläsern, welche Querschlagsvortriebe zu stunden zwingen, werden auch Betriebspunkte im Abbau wegen Schlagwetter häufig gestundet, weil die Grundausgasung sehr hoch ist.

Der Revierbeamte verlangt wiederholt Anstellung eines Wettersteigers sowie bei Schießarbeit nur elektrische Zündung. Weiterhin verlangt er Bau- bzw. Wetterabteilungen sowie Vorrichtung und Abbau räumlich und zeitlich stärker zu entzerren, schlägt ein stärkeres Voreilen der Vorrichtung besonders nach Süden vor und das Einrichten “nasser Zonen” in Ein- und Ausziehströmen.

Da das Oberbergamt wegen erhöhter Gefahr von Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosionen den Einsatz von Sprenggelatine oder Gelatinedynamit in Gesteinsvortrieben untersagt, wendet sich 1909 die Verwaltung an den zuständigen preußischen Landesminister für Handel und Gewerbe in Berlin; sie führt an, bei dreimal vier Mann Belegung täglich seien nur mit Hilfe der oben genannten Sprengstoffe monatlich Vortriebe von 30 bis 40m in Querschlägen statt nur 25m und in Aufbrüchen 28 statt nur 19m zu erzielen. Schnellere Vortriebe seien aber notwendig, wenn man 3.000 statt 1.500 Tonnen Kohlen täglich fördern wolle, was, wie es weiter heißt, “ganz abgesehen von dem wirtschaftlichen Schaden der Zeche, gerade in der jetzigen Zeit der niedergehenden Conjunctur, wo die Gemeinde Erkenschwick, deren Entwicklung allein von der Zeche Ewald Fortsetzung abhängt, im Aufblühen begriffen ist, von ganz erheblicher Tragweite ist, wie das Jahr 1904, als wir nur 300 Mann wegen allzu großer Einschränkung der Förderung entlassen mußten, gezeigt hat. Wenn wir keine Entlassung von Arbeitern vornehmen wollen, müssen wir die Kohlenbetriebe sofort nach der Vorrichtung belegen.” Der Antrag wird jedoch im Juni abgewiesen.

1910 erhält jedes Revier einen Sicherheitsmann, diese gehören je zur Hälfte dem Christlichen Gewerkverein und dem Alten Verband (“Verband der deutschen Bergleute”, gegründet 1890 in Halle) an.

Ab 1911 ersetzen aus Sicherheitsgründen schwere elektrische Batterielampen die Benzinlampen, die fortan nur noch von Aufsichtspersonen, Schießhauern, Wetterleuten und Sicherheitsmännern getragen werden. Die Aufsicht erhält elektrische Brustlampen, die sogenannten “Blitzer”.

1913 werden gegen Kohlenstaubexplosionen Gesteinstaubsperren eingeführt. Die Grube hat 160km Wasserleitung. Die Sicherheitsmänner werden um je einen Vertreter des Werksvereins Zeche und des Polnischen Verbandes verstärkt.