Püttgeschichten

Beschaffung von Arbeitsschuhen

Auszug aus einem Brief an das Wirtschaftsamt Recklinghausen vom 13.01.1946: Versorgung der Bergleute mit Mangelwaren

Infolge des Mangels an Schuhen mit Ledersohle und Material zur Reparatur zerrissenen Schuhwerks werden bald in verstärktem Maße auch an Bergleuten die in steiler Lagerung arbeiten oder zur Verrichtung ihrer Arbeit viel Fahrten (eiserne Leitern) klettern müssen oder in der Förderung bezw. im Rangierdienst beschäftigt sind, Schuhe mit Holzsohlen oder Holzschuhe ausgegeben werden müssen. Bei diesen Arbeitergruppen kommt es vor allen Dingen darauf an, daß sie die Beschaffenheit der Standfläche durch die Schuhsohle hindurch fühlen, was bei den starren Holzsohlen unmöglich ist.

Die Arbeit in der steilen Lagerung ist mit der eines Dachdeckers, wenn man noch die unvollkommene Beleuchtung und Erschwerung der Sichtdurch Staubentwicklung in Betracht zieht, teilweise zu vergleichen. Es scheint wohl einleuchtend, das Arbeiter in Schuhen mit Holzsohlen oder in Holzschuhen für die oben angeführten Arbeitergruppen eine Vergrößerung der Unfallgefahr bedeutet.

Kaffeezuteilung für Bergleute

Auszug aus einem Brief an das Wirtschaftsamt Recklinghausen vom 13.01.1946: Versorgung der Bergleute mit Mangelwaren

Die Zuteilung an Kaffee- Ersatz beträgt in der Periode je Verbraucher 150 gr. Kaffee- Mehl. Das bedeutet je Tag rd. 1/2 ltr. Kaffee für den Bedarf des Bergmannes während der Schicht und zu Hause zu den Mahlzeiten. Auf einigen Zechen erhalten die Bergleute zusätzlich 1/2 Pfd. Kaffee- Mehl in der Periode. Selbst bei größter Einschränkung ist es für Bergleute, die an heißen Betriebspunkten arbeiten oder häufig Überschichten und Sonntagsschichten verfahren müssen oder als Angehörige der Gruben- bzw. Werksfeuerwehr neben ihrer normalen Arbeitsschicht zu Übungsschichten herangezogen werden oder als Arbeitskräfte der Betriebsteile ohne Sonntagsruhe, wie Maschinenzentrale, Kokerei, Kesselhaus usw. in regelmässigem Wechsel Sonntags arbeiten müssen, nicht möglich auszukommen.
Früher wurden den Zechen je 2-3 kg Kaffee- Mehl zugewiesen, mit deren Hilfe die Werksküche an Gruben- und Werksfeuerwehr sowie die Arbeiter der Betriebsteile ohne Sonntagsruhe bei außergewöhnlichen Schichten Kaffee ausgeben konnte. Die übrigen Bergleute waren auf Grund der ihnen zustehenden erhöhten Zuteilungen im Stande, sich selbst zu versorgen.

Grubenpferd Tobias: Die letzte Schicht

Interwiew mit Heinrich Rawers:

Der Auftrag war ganz klar. Tobias sollte zu Tage. Aber nicht pfundweise.... Das war das Problem für Reviersteiger Heinrich Rawers. Er kannte Tobias ganz genau, schließlich hatte er es in den letzten zwölf Jahren an verschiedenen Betriebspunkten unter Tage eingesetzt. Auch öfters auf verschiedenen Sohlen. Das klappte auch immer ganz gut, bis auf den Tag als Tobias wieder eine Sohle höher gebraucht wurde. Mit Brot und Kaps wurde er auf den Korb gelockt. Die Klappspurlatte wurde hoch geklappt und Tobias ging ganz ruhig auf den Korb. War ja nicht das erste Mal. Ab und an ging's auch mal ganz nach oben, auf eine saftige Wiese, direkt neben Schacht 5.

Heute ging's nur eine Sohle höher, aber das sollte vorerst das letzte Mal sein. "Unvorhergesehenes trifft sie alle..", so steht's schon in der Bibel. Diesmal traf es Tobias. Es war ein Schlag aufs Hinterteil, den er nie vergaß. Die Klappspurlatte war nicht richtig fest und schoß mit voller Wucht auf Tobias Hinterteil. Durch den kräftigen Schlag auch noch nach vorne katapultiert, stieß sich der treue Zotte noch die Schnauze an der Spurlatte vor ihm. Der Schock saß fürs Leben. "Nie wieder auf'n Korb.." muß sich Tobias an diesem Tag geschworen haben.

"Selbst Knebel konnten Tobias nicht dazu bewegen wieder auf den Korb zu gehen. Sobald er in Schachtnähe kam, hat er sich hingelegt und es war nichts mehr zu machen," erzählte Heinrich Rawers. "weder mit Brot noch mit Grünzeug."

Aber jeder geht mal in Rente, auch für Tobias kam die letzte Schicht. Am 22.6.1966 hieß es: "Tobias muß raus, aber nicht pfundweise." Auch dieser, nahezu unmögliche Auftrag wurde erfüllt. Als Bergmann ist man schließlich flexibel und Meister im Improvisieren. Ein Transportbehälter mußte her, aus der hauseigenen Schreinerei, 200x180x80cm, mit Rollen drunter. Mit Brot und Kaps in die Kiste gelockt, Klappen zu und fertig. In der Kiste hatte Tobias keine Zeit und Gelegenheit mehr sich zu wehren. Reviersteiger Rawers und Stallbursche Schulke haben gut lachen. Die nächsten vier Jahr verbringt Tobias in guter Pflege auf einem Kleinbauernhof.

Reviersteiger Heinrich Rawers, hier Rechts im Bild, brachte am 22.Juni 1966 das letzte Grubenpferd, das auf den Namen "Tobias" hört, ans Tageslicht. Mit dabei, Stallbursche Konrad Schulke.

Keine Angst vor Geistern

Im Bergwerk gibt es Kobolde. Dies behauptet jedenfalls der angesehene Wissenschaftler Georg Agriocola.

GEORG AGRICOLA , der eigentlich Georg Bauer hieß, gilt als Begründer der Mineralogie und der Bergbaukunde. Er gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Technik-Geschichte. Bis zum Ende des 18. Jahrhundert hatten seine Arbeiten absolute wissenschaftliche Gültigkeit.
Agricola wurde am 24. März 1494 in Glauchau bei Chemnitz geboren. Mit 20 Jahren ging er an die Universität Leipzig, wo er Philosophie. Philologie und Theologie studierte. Mit 23 wurde er Lehrer in Zwickau. Ab 28 studierte er Medizin und Naturwissenschaften. Nach weiteren Stationen wurde er als 36jähriger ein berühmter Gelehrter der Bergbaukunde. Viermal war er für je ein Jahr Regierender Bürgermeister von Chemnitz. Als er am 21. November 1555 starb, wurde der Katholik nicht im protestantischen Chemniz, sondern in Zeitz beigesetzt.

De re metallica libri XII - Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen - dies ist das große Vermächtnis von Georg Agricola für den Bergbau und die Wissenschaftsgeschichte. Er verfaßte die Bücher als großer Gelehrter seiner Zeit in lateinischer Sprache. Das Werk erschien 1556 ein Jahr nach seinem Tod, mit prachtvollen Initialen und Holzschnitten. Schon 1557 lag die erste Übersetzung ins Deutsche vor. Die zwölf Bücher handeln von allen Gebieten des Bergbaus, von den Werkzeugen der Bergleute bis zu den Aufgaben der Beamten. In einem weiteren Buch befaßt sich Agricola mit den "Lebewesen unter Tage".

Der letzte Abschnitt ist den Geistern gewidmet:
"Schließlich kann man noch zu den unter Tage lebenden Tieren oder, wie die Theologen sagen, zur Zahl der Wesen die Geister rechnen, die sich in manchen Gruben aufhalten. Es gibt zweierlei Arten. Die einen bieten einen wilden und schreckenerregenden Anblick und sind meist den Bergleuten unfreundlich und feindlich gesinnt. Dergestalt war einer zu Annaberg, der mehr als 12 Arbeiter in einer Rosenkranz genannten Grube durch seinen Hauch tötete Der Hauch entquoll seinem Rachen. Er soll einen langgestreckten Hals wie ein Pferd und wilde Augen besessen haben.

Gleicher Art war auch der mit einer schwarzen Kutte bekleidete zu Schneeberg, der in der Grube St. Georg das Handwerkzeug vom Boden aufhob und nicht ohne körperliche Anstrengung in eine höhergelegene Strecke dieser einstmals silberreichsten Grube hinaufschaffte. Psellus, der sechs Arten von Geistern unterscheidet, sagt, daß diese Art schlimmer als die übrigen sei, da sie mit einer stärkeren festen Hülle umkleidet sind. Manche Philosophen halten diese und ähnliche Geister, welche schädlich und vor Natur boshaft sind, für dumm und ohne Vernunft. Es gibt aber auch gute Geister, die manche in Deutschland, wie die Griechen, Kobolde nennen, weil sie Menschen nachahmen.

Denn in lauter Fröhlichkeit kichern sie und tun so, als ob sie viele Dinge verrichteten. während sie tatsächlich nichts ausführen. Manche nennen sie auch Bergmännchen; sie besitzen die Gestalt eines Zwerges und sind nur drei Spannen lang. Sie sehen greisenalt aus und sind bekleidet wie die Bergleute, d.h. mit einem zusammengebundenen Kittel und mit einem um die Schenkel herabhängenden Bergleder. Sie pflegen den Bergleuten keinen Schaden zuzufügen, sondern treiben sich in Schächten und Stollen herum. Und obwohl sie eigentlich nichts schaffen, tun sie doch so, als ob sie sich in jeder Art Arbeit üben wollten, d. h. sie graben Gänge. füllen das Ausgegrabene in Gefäße und drehen den Förderhaspel. Manchmal necken sie die Arbeiter mit Goldkörnern, tun ihnen aber nur ganz selten etwas zuleide. Sie verletzen auch niemanden, wenn man sie nicht vorher ausgelacht oder durch Schimpfworte gereizt. hat. Sie sind daher ähnlich den guten Geistern, die nur selten dem Menschen erscheinen, die aber täglich einen Teil der Hausarbeit verrichten und das Vieh versorgen. Diesen haben die Deutschen, da sie uns Gutes tun, von menschlicher Art sind oder mindestens als Freunde auftreten, den Namen "Guttel" beigelegt; von den "Trullen genannten, welche sowohl weiblichen wie männlichen Geschlechtes zu sein scheinen, wird berichtet, daß sie bei manchen Völkern, namentlich aber bei den Skandinaviern, für Dienstleistungen gehalten werden. Die Berggeister arbeiten am liebsten in Gruben, in denen Metalle gewonnen werden oder in denen Hoffnung besteht, daß solche gefunden werden. Deshalb lassen sich die Bergleute durch sie auch nicht abschrecken. sondern betrachten sie als ein gutes Anzeichen, sind fröhlichen Mutes und arbeiten um so fleißiger weiter."

Quelle: AV Magazin 3/94

Leuchtender Körper bereitet Sorgen

Dortmung den 20ten Januar 1823, Königlich Preußisches Westfälisches Oberbergamt

Seiner Herren Staatsminister von Altenstein Exellenz ist die Nachricht zugekommen, daß in der Stein "Kohlen" Ofenberg bei Dortmund ein leuchtender Körper gefunden sind, und soll der Referendarin Laroche davon Kenntnis haben. Wir fordern die Königlichen Märkischen Bergamt.. hierdurch auf, mit umgehender Post von zuzeigend: ob und in wir derer die Sorge begründet, und was .. der Referendarin von Laroche davon bekannt ist? mit dem Bemerken, daß auch den Geschworenen Lind zur Auskunft darüber auffordern werden.

Schießmeister brauchen Brillen

An das Bergamt Recklinghausen II, (Brief vom 1.Juni 1946)

Seit Monaten haben wir die Klagen von älteren Schießmeistern und Schießhauern vorliegen, daß sie ihr Schießbuch nicht richtig ausfüllen können, weil ihnen die Brille fehlt. In den hiesigen einschlägigen Geschäften sind keine Brillen zu haben. ...Dieser Mangel wirkt sich für den Betrieb immer nachteiliger aus und wir bitten auch von dort alles zu versuchen, um den betreffenden Belgschaftsmitgliedern zu den Besitz einer Taschenuhr zu verhelfen.

Staubaufwirbelung durch die Russen

An das Bergamt Recklinghausen II in Recklinghausen

Eingabe des Bermanns Otto Steckel an die Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bochum. Bei der Verhandlung am 23.2.1945, welche die in dem Schreiben gemeldeten Mängel zum Gegenstand hatte, waren zugegen: Herr Erster Bergrat Isselstein, Herr Bergwerksdirektor Quentin, Herr Grubeninspektor Schäfer, Herr Betriebsführer Strieter und Herr Betriebsobmann Fromme.

Steckel gibt zu, daß die Staubaufwirbelung so groß nicht gewesen sei und nur durch die Russen verursacht werden, die ihre Füße nicht richtig aufheben. Es handelt sich nicht um Kohlenstaub. Ganz ließe sich die Staubablagerung schon durch das Einstauben selbst auch nicht vermeiden. Seine eingereichte Beschwerde hat er weder dem Betriebsführer noch dem Betriebsobmann vorgetragen. Sachlich ist die Beschwerde falsch und war eine Anschuldigung, die Steckel nicht aufrechterhalten konnte. Steckel entschuldigte sich bei dem Grubeninspektor und Betriebsführer und bat um völlige Beilegung der Angelegenheit und Herstellung des offenen persönlichen Verhältnisses.

Die Verhandlung wurde damit geschlossen, daß Steckel aber nicht den Eindruck haben sollte, daß seine Absicht, im Betrieb durch Verbesserungsvorschläge mitzuarbeiten, nicht anerkennt würde, sondern daß Mitarbeiter immer erwünscht seien. Haltlose Beschwerdebriefe jedoch führten nicht zum Erfolg.

Verhandelt am 23.2.1945. Steckel zur Kenntnisnahme und Unterschrift vorgelegt.
Zeche Schlägel & Eisen, den 26.2.1945

Uhren für manche Bergleute

Auszug aus einem Brief an das Wirtschaftsamt Recklinghausen vom 13.01.1946: Versorgung der Bergleute mit Mangelwaren

Nach der Bergpolizeiverordnung für die Steinkohlenbergwerke vom 1.Mai 1935 ist für verschiedene Gruppen von Bergleuten bei ihrer Arbeit die Einhaltung zeitlich genau festgelegter Fristen vorgeschrieben (z.B. Schießberechtigte). Dazu werden Uhren benötigt.
Ebenso sind Uhren für manche Bergleute aus sicherheitlichen und wirtschaftlichen Gründen erforderlich (z.B. Aufsichtspersonen, Förderleute). Ebenfalls ist an den verschiedensten Punkten des Betriebsablaufes in einem Steinkohlenbergwerk die Einhaltung bestimmter  Zeiten notwendig, um Stockungen des Arbeitsrhytmus zu vermeiden (Seilfahrt, Zugverkehr in den Hauptförderstrecken, Maschinenbetrieb usw.).

Uhren und Brillen für Schießberechtigte

An das Oberbergamt Dortmund
(Schreiben vom 22. Juni 1946)

Anliegendes Schreiben der Zeche Brassert wird überreicht. Die von der Zechenverwaltung Brassert erwähnten Mängel decken sich mit den Feststellungen des Bergamts, das keine andere Möglichkeit zur Behebung des dadurch verursachten sicherheitlichen Mißstandes sieht, als ihn dem Oberbergamt zu unterbreiten, weil ihm allgemein sicherheitliche Bedeutung zukommen dürfte.

Verordnung Arbeitsschuhe und Uhren

An das Bergamt II Recklinghausen, Der Betriebsrat, den 7. August 1945

Der Mangel an Arbeitsschuhen greift immer mehr um sich. Es ist unbedingt erforderlich, daß die Schuhfrage baldmöglichst gelöst wird. Ferner fehlt es in der Belegschaft, da wir viele ausgebombte Familien haben, an Uhren. Vielen Leute ist es deshalb nicht möglich, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Wir bitten das Bergamt, sich für obengenanntes einzusetzen.

Verschleiß an Grubenzeug

Auszug aus einem Brief an das Wirtschaftsamt Recklinghausen vom 13.01.1946:

Versorgung der Bergleute mit Mangelwaren
Der Verschleiß an Grubenzeug ist insbesondere bei den Bergleuten in Abbaubetrieben durch Kriechen und Rutschen besonders groß. Eine Ausbesserung verschlissenen Grubenzeugs ist praktisch unmöglich, da Nähgarn und Stoff zum Flicken fehlt und Zuteilungen seit langer Zeit nicht mehr erfolgen. In zerrissenem oder zerschlissenem Zustand kann die Grubenkleidung die Aufgabe als Schutz vor Verletzungen durch abspringende Gesteins- oder Kohlensplitter oder an scharfen vorspringeneden Kanten und Ecken und als Schutz gegen kalten Wetterzug bei den Arbeitern, die aus warmen Grubenteilen kommen, nicht mehr erfüllen.

Vorbeten wurde nicht bezahlt

Dortmund 23. Juni 1820 Königlich Preusisches Westfälisches Oberbergamt

Der Bergmann August Bieth von der Zeche Geitling, Amt Blankenstein hat angezeigt:
Der Revierbeamte hätte ihm schon vor einigen Jahren das Vorbeten im Zechenhause aufgetragen, wofür ihm ein tägliche Zulage von Zwanzig (?) versprochen wurden. Fazit, er habe dieses treulich verrichtet, jedoch die Zulage nicht erhalten, und obwohl die Genannten aus Überzeugung für's gute Benehmen ihm solches bereitwillig geben wollten, Sie ihm doch vor einer der höheren Beamten abgeschlagen worden.

Das Königlich Märkische Bergamt wird über die Lage dieser Sache hierdurch zum Bericht aufgefordert, meinersich den Selben zu äußern haben: ob die Zulagen den Bieth wirklich und wann, versprochen worden, und mit welchen Gründen Sie ihm antworten oder vorenthalten werden müßten.

Wecker für Bergleute

Auszug aus einem Brief an das Wirtschaftsamt Recklinghausen vom 13.01.1946: Versorgung der Bergleute mit Mangelwaren

Wecker für Bergleute sind bei dem Wechsel der Schichtzeiten, wodurch eine Gewöhnung an eine bestimmte Zeit des Aufstehens-, wie in anderen Berufen, fortfällt, notwendig, um Verspätungen bei Schichtanfang zu vermeiden. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß Bergleute in der Nachbarschaft die Uhrzeit erfragen müssen, wie es jetzt schon häufig vorkommt, weil keine Uhren mehr vorhanden sind. Falls diese Ausführungen nicht genügen, um die unbedingt erforderliche Behebung des Fehlens der angeführten Mangelwaren zu erklären, wird eine Grubenfahrt einen verantwortlichen Herren des Wirtschaftsamtes mit einem Vertreter der Bergbehörde an einem zu vereinbarenden Tage vorgeschlagen.

Wettermännern fehlt die Taschenuhr

An das Bergamt Recklinghausen II, (Brief vom 1.Juni 1946)

...Ferner klagt ein Teil der Wettermänner darüber, daß das Beschreiben der Wettertafeln, welches bekanntlich längstens 3 Stunden vor der Anfahrt der Morgenschicht erfolgen darf, mit genauer Zeitangabe nicht möglich ist, weil ihnen die Taschenuhr fehlt. Dieser Mangel wirkt sich für den Betrieb immer nachteiliger aus und wir bitten auch von dort alles zu versuchen, um den betreffenden Belgschaftsmitgliedern zu den Besitz einer Taschenuhr zu verhelfen.

Zeugnis des ehemaligen Grubeninspektors Hilgenstock

Der Grubeninspektor Ewald Hilgenstock, geboren am 12.Januar 1899 ist, soweit hier bekannt ist, im Jahre 1932 als Fahrsteiger von der Schachtanlage Shamrock 1/2 nach der Schachtanlage General Blumenthal der Bergwerksgesellschaft Hibernia versetzt worden. Nachdem er hier mehrere Jahre lang als Obersteiger tätig war, ist er im Jahre 1936 zum Grubenbetriebsführer des gesamten Untertagebetriebs der Schachtanlage General Blumenthal 1/2/5 und 3/4/6/7 befördert worden. Seit 1943 war Hilgenstock Grubeninspektor und stellvertretender Werksleiter. Dem Unterzeichneten ist er seit April 1941 aus dem dienstlichen Verkehr des Bergamts mit der Zechenverwaltung bekannt.

Seinen Aufstieg bis zum Grubeninspektor hat Hilgenstock offenbar durch harte Arbeit ermöglicht. Seine überragenden bergmännischen Fähigkeiten, sein gutes Organisationstalent und seine fortschrittliche Einstellung zu technischen Fragen und Problemen dürften zusammen mit einem unermüdlichen Leistungswillen dazu geführt haben, ihn schon in jungen Jahren mit den Aufgaben und Geschäftskreisen zu betreuen, die er durchgeführt bezw. ausgeübt hat.

In die Zeit seiner Betriebsführertätigkeit fiel u.a. die Schlagwetterexplosion im Flöz Gretchen im Jahr 1937 und der Grubenbrand im Blindschacht 19 im Jahre 1942. Der erstgenannte Unfall forderte 16, der zweite 6 Menschenleben. Bedroht waren in beiden Fällen weit mehr Menschen. So wurden am Blindschacht 19 von etwa 120 bedrohten Menschen 114 lebend und unverletzt geborgen. Die Rettungsarbeiten gelangen nicht zuletzt durch die besonnene und tatkräftige Haltung des Grubenbetriebsführers Hilgenstock, dessen verdienstvolles Wirken in der Verleihung des Grubenwehrehrenzeichens seine Anerkennung gefunden hat.

Seine technische, organisatorische und berufsfachliche Befähigung spiegelt sich in dem Zustand der Grubenverhältnisse der Schachtanlagen General Blumenthal insofern wieder, als die von Hilgenstock getroffenen Maßnahmen nicht allein einer fachlichen scharfen Kritik standhalten sondern auch bergmännisch technische Lösungen aufweisen, die auch in sicherheitlicher Hinsicht grundlegend neu und richtungsweisend für die Zukunft sind. Seine besondere Sorge galt der Frage der klimatischen Verhältnisse unter Tage, die wirtschaftlich wie sicherheitlich von gleich großer Bedeutung ist. Hilgenstock setzte hier gegen erhebliche Widerstände seine besseren Erkenntnisse und Erfahrungen zum Besten seiner arbeitenden Belegschaft durch. Monate hindurch vertrat er seinen abwesenden Werksdirektor ohne seinen eigentlichen Aufgabenkreis aus dem Auge zu lassen. Er ist ein fachlich überdurchschnittlich begabter Bergmann, dessen Tätigkeit in sicherheitlicher und wirtschaftlicher Hinsicht erhebliche Erfolge zu verzeichnen gehabt hat.

Recklinghausen, den 7. Januar 1947

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