11-2 Betriebliche Entwicklung 1990 bis 1992



Bereits Anfang 1990 werden umfangreiche Planungen für das Optimierungsmodell des Steinkohlenbergbaus eingeleitet.

Die Planungen für das Bergwerk Haard sehen erstmalig einen Zusammenschluß mit dem Bergwerk General Blumenthal ab 1996 mit einer gemeinsamen Förderung von 12.500 Tonnen je Tag vor. Der Förder- und Aufbereitungsstandort General Blumenthal Schacht 11 wird ab 2003 aufgegeben und die Verwaltung am Standort Ewald-Fortsetzung 1/3 konzentriert. Die Aufnahme des Abbaus im Baufeld Olfen Süd und die Errichtung eines neuen Förder- und Aufbereitungsstandortes in Rapen bis zum Jahre 2003 bleiben Bestandteil der Planung. Nach den Rechenergebnissen läßt die Verbundanlage eine größere Wirtschaftlichkeit erwarten als das Weiterbetreiben zweier einzelner Anlagen.

Nach der Neubewertung der Lagerstätte im Zuge der Planung verfügt das neue Verbundbergwerk über einen Vorrat von 150 Millionen Tonnen Gas- und Fettkohle. Davon entfallen auf das Baufeld Haard 61 Millionen Tonnen. Gegenüber den ursprünglichen Annahmen vor Aufschluß des Feldes hat sich die Baufläche Haard störungsbedingt von 34 qkm auf 15 qkm vermindert. Das hat zu einem Vorratsverlust von rund 60 Millionen Tonnen geführt. Das Anschlußfeld Olfen Süd ist mit 38 Tiefbohrungen, 50 km Linien- und 28 qkm Flächenseismik gut exploriert. Der Abbauvorrat bis 1300 m beträgt 72 Millionen Tonnen.

Verläßliche Aussagen über die Abbauführung lassen sich jedoch erst machen, wenn flächendeckender Aufklärungsabbau in einem Flöz betrieben worden ist.

Fair eine nahtlose Ablösung auslaufender Baufelder in den Feldern General Blumenthal und Haard ist deshalb ein möglichst großer Vorleistungsvorlauf anzustreben.

Ungewiß des Ausgangs dieser Modellrechnung werden nach Beendigung der Teufarbeiten des Schachtes Ewald Fortsetzung 5 im August 1990 weitere Tätigkeiten eingestellt. Die untertägige Teufeinrichtung wird demontiert und der Schachtteil unterhalb der 870-mSohle unter Wasser gesetzt.

Die Planungen, statt einer Neuanlage die Förderanlage des 1990 stillzulegenden Schachtes Schlägel & Eisen Schacht 4 zu übernehmen bzw. eine Fördermaschine von Minister Achenbach einzusetzen, werden vorerst zurückgestellt.

Sprecher des Vorstandes
Dr. Hans-Wolfgang Arauner ist Sprecher des Vorstandes mit den Hauptabteilungen Zentralstab Koordinierung und Gesamtplanung, Vorstandsbüro, Recht.

Vorstand Produktion
Dr. Raimund Utsch ist Vorstandsmitglied für das Ressort Produktion mit den Hauptabteilungen Technik unter Tage, Übertagebetriebe, Markscheidewesen/Bergschäden.

Vorstand Technik
Dr. Wolfgang Fritz ist Vorstandsmitglied für das Ressort Technik mit den Hauptabteilungen Betriebsüberwachung. Markscheidewesen/Raumordnung, Forschung und Entwicklung, Umweltschutz. Stabsabteilung Kokerei.

Vorstand Personal
Wilhelm Krämer ist Vorstandsmitglied für das Ressort Personal mit den Hauptabteilungen Personalwesen I, Personalwesen II, Allgemeine Verwaltung.

Vorstand Arbeit
Wolfgang Wieder ist Vorstandsmitglied für das Ressort Arbeit mit den Hauptabteilungen Sozialwesen I und II, Berufsbildung. Gesundheitsschutz und Ergonomie.

Kaufmännischer Vorstand
Hans Messerschmidt ist Vorstandsmitglied für das Kaufmännische Ressort mit den Hauptabteilungen Rechnungswesen, Betriebswirtschaft, Einkauf, Materialwirtschaft sowie dem Funktionsbereich Versand/Verkauf

Gemeinsamer Vorstand der Bergbaugesellschaften

Obwohl die kohlepolitischen Entwicklungen erhebliche Befürchtungen und Unruhen in der Bevölkerung und bei der Belegschaft auslösen, läuft das Betriebsgeschehen normal weiter.

Die Werksdirektion bestellt ab 1.1.1990 Dipl.-Ing. Hamann als Umweltingenieur, nachdem die Ruhrkohle AG in einem 10-Punkte-Programm die Richtlinien für eine umweltgerechte Unternehmenspolitik festlegt.

Um die Laufzeit der Halde Hoheward, die von den Bergwerken Ewald-Schlägel & Eisen und General Blumenthal beschickt wird, zu strecken, soll die Halde Dillenburg bereits im Jahre 1994 den Kippbetrieb mit durchschnittlich 10.000 Tonnen Berge je Tag vom Standort General Blumenthal 11 aufnehmen. Das Bergwerk Haard reicht den Haldenbetriebsplan noch im Juni 1990, kurz vor Inkrafttreten von Umweltverträglichkeitsprüfungen, zur Zulassung beim Bergamt Recklinghausen ein. Die Öffentlichkeit wird in einer erregten Bürgerversammlung sachlich informiert. Die Bergbehörde befindet sich noch im Abwägungsprozess öffentlicher Belange.

Am 10.Juni 1990 wird nach über dreijähriger Auffahrungszeit der Gesteinsberg mit dem Schacht Emscher-Lippe 6 durchschlägig. Über eine Lüfterbatterie mit fünf parallel angeordneten 50-kW-Lüftern ziehen 2.500 cbm Wetter pro Minute aus und verbessern die Bewetterungsverhältnisse in der 4. Abteilung erheblich.

Für den Anschluß des Schachtes Emscher-Lippe 6 an das Grubengebäude wird vorab der Sumpf bis über die Firste des Anschlages der 3. Sohle von Emscher Lippe verfuhr und aus Gasgründen wetterdicht abgeschlossen. Mit einer von über Tage aus eingehängten Falleitung DN 50 werden von Februar bis Juni 1990 teilweise mit erheblichen Schwierigkeiten beim Verfüllen und unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen bei Wettergemischen mit CH4-Gehalten von 20 bis 60 % ca. 4.000 Tonnen Baustoff eingebracht.

Im Untertagebetrieb wird vor allem die Ausrichtung durch Einwirkungen des Abbaubetriebes in Zollverein 5 auf den Querschlag 4 Osten und auf angrenzende Grubenbaue zurückgeworfen. Ein Maximum an Sanierungs- und Unterhaltungsarbeiten wird besonders in 1991 notwendig. Es werden 700 m gesenkt, durchgebaut bzw. erweitert und anschließend durch Torkretieren und Hochdruckinjizieren gesichert. Da Arbeiten dieses Umfangs nicht von zecheneigener Belegschaft durchgeführt werden können, werden hierfür bis zu 70 Mannschichten bergmännischen Unternehmer, allerdings zu Lasten notwendiger Auffahrungen in der Vorrichtung und im Gestein, eingesetzt.

Mit rund 4500 m Streckenaufführung werden die Planwerte in der Vorleistung 1990 noch eingestellt. Die Unterbelegung führt 1991 jedoch zu einer rund 700 m geringeren Auffahrung im Allgemeinen Grubengebäude. Der schlechte Zustand des Querschlages 4 Ost und die ohnehin notwendigen Anbindungen der Bauhöhen in Flöz Zollverein 2/3 führen zu der Planung, vor der weiteren Auffahrung der Restlänge des Querschlages von rd. 700 m eine Ersatzstrecke im Alten Mann, Flöz Zollverein 2/3, aufzufahren.

Der saarländische Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten, Oskar Lafontaine, besucht am 18. Oktober 1990 das Bergwerk. Laut Stimbergzeitung äußern sich zahlreiche Belegschaftsmitglieder enttäuscht über den Verlauf des Besuches, weil er sich fast nur mit dem Vorstand und zu wenig mit dem einfachen Kumpel unterhalten habe.

Zum Jahresende 1990 verabschiedet die Werksdirektion den Tagesbetriebsführer Heinz Geppert in den Ruhestand. Er hinterläßt eine weitgehend rekultivierte Bergehalde, die später einmal als Parklandschaft mitten in der Stadt Oer-Erkenschwick dem Spaziergänger zugängig sein wird. Sein Nachfolger wird Kurt Schollen, vorher Tagesbetriebsführer auf dem Bergwerk Radbod.

Ab 1990 werden zur weiteren Arbeitszeitverkürzung die persönlichen Freischichten von 8 auf 13 erhöht. Zusammen mit vier Freischichten für Wechsel- und Nachtschicht steigen die Urlaubstage der Untertagebelegschaft auf durchschnittlich 50 Tage im Jahr. Da die Produktivitätssteigerung mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten kann, muß die Belegschaft im Jahre 1986 mit Einführung der Freischichtenregelung zur Absicherung der Fördervorgabe kontinuierlich erhöht werden.

Das Bergwerk fördert 1990 in 247 Arbeitstagen 1,57 Millionen Tonnen Kohlen. Die tägliche Fördermenge beträgt 6.341 Tonnen und wird mit einer Gesamtbelegschaft von 2.365 Mitarbeitern erbracht. Das Bergwerk übernimmt von anderen Anlagen 115 Mann und legt 70 Nachwuchskräfte an. Über die Anpassungsregelung kehren 76 Mitarbeiter ab.

Die Bauarbeiten für die Errichtung der Hauptlüfteranlage des Schachtes Emscher-Lippe 6 werden Anfang 1991 abgeschlossen. Zwei vom Bergwerk Ewald, Schacht Recklinghausen, übernommene Lüfter werden aufgestellt. Der östliche Lüfter wird am 16.2.1991 in Betrieb genommen, der westliche steht seit dem 2.3.1991 als Reservelüfter betriebsbereit.

BILD 292 Hans Berger, Oskar Lafontaine Dr. Heiz Horn

Bei einer Lüfterkapazität von max. 250 cbm je Sekunde Wetter werden zur Zeit 104 cbm Wetter je Sekunde abgeführt.

Die Befestigung der neuen Betriebsfläche von ca. 7.000 qm an Schacht 6 erfolgt mit rd. 20.000 Tonnen Grobbergen. Für die Einfriedung der gesamten Fläche von ca.2,2 ha wird ein Erdwall aufgeschüttet und mit ca. 25.000 Pflanzen begrünt.

Die schärferen Qualitätsansprüche der Kraftwerke an Ballastkohle machen einen weiteren Ausbau der Wäsche erforderlich.

Bereits 1990 wird durch den Einbau besserer Siebmaschinen die Durchsatzleistung erhöht und eine Verbesserung der Produkte erreicht. Weitere Qualitätsverbesserungen werden erzielt, nachdem 1991 unter anderem die Grobkohlen mit einer Hammermühle zerkleinert werden und der Waschwasser- und Schlammkreislauf mit einer Schlammzentrifuge und neuen Scheibenfiltern verbessert ist.

Nach Herabsetzen der Trenngröße auf 6,3 mm und dem Einsatz eines Ascheschnellbestimmungsgerätes kann seit Mitte 1991 die gewünschte gleichbleibende Qualität der Ballastkohle gewährleistet werden. Ein Kohlenlager mit bis zu 50.000 Tonnen in Schachtnähe vermeidet Förderstörungen bei Waggonmangel.

Nach diesen Maßnahmen hätte es nur geringer technischer und finanzieller Aufwendungen bedurft, die so ertüchtigte "Teilaufbereitung" in eine Aufbereitung zur Erzeugung von Vollwertkohle statt ausschließlich Ballastkohle zu erweitern. Die Vollaufbereitung hätte dem Bergwerk jährlich einen Erlösvorteil von rd. 5 Millionen DM erbracht. Maschinentechnische Einrichtungen von der Schachtanlage Radbod sind schon angeliefert, doch die allgemeine Absatzlage sowie die politischen Unsicherheiten in der Energiepolitik verhindern den weiteren Ausbau.

Gegen das Verwirrspiel des Bundeswirtschaftsministers Möllemann, der jede Woche eine andere Vereinbarung zur Disposition stellt, demonstriert am 28. Juni 1991 die Belegschaft des Bergwerks gemeinsam mit zahlreichen Bürgern der Stadt vor dem Hauptgebäude der Zeche in Erkenschwick.

Am 3. November 1991 nutzen Betriebsrat, Werksdirektion und Belegschaft das Spitzenspiel der Spielvereinigung Erkenschwick gegen Arminia Bielefeld im Stimberg-Stadion zu einer Großdemonstration vor 4.000 Menschen, um ihren Zorn und ihre Verbitterung gegen die skandalöse Vorgehensweise und Kahlschlagpolitik des Bundeswirtschaftsministers zum Ausdruck zu bringen.

Zur Verbesserung der untertägigen Klimaverhältnisse wird im November 1991 auf der 950m-Sohle in Schachtnähe eine zentrale Kälteanlage mit einer installierten Bruttoleistung von insgesamt 5,8 MW in Verbindung mit einem Hochdruck-Niederdrucktauscher in Betrieb genommen. Das neue Wetterkühlsystem geht von der Kälteerzeugung durch Großmaschinen im Abbauschwerpunkt und von Wetterkühlern im Abbau aus. Durch die Anordnung der Kälteerzeugung werden am Kühler Kaltwasservorlauftemperaturen von 3 bis 4°C erreicht. Die Wärmeabfuhr erfolgt durch übertägige Rückkühlwerke.

Für den Betrieb dieser Anlage ist der Einbau von insgesamt 9,8 km Rohrleitungen erforderlich. Der Investitionsaufwand beträgt rund 8,1 Millionen DM. Durch die verstärkte Klimatisierung wird trotz Verlagerung des Abbaus in größere Teufe und schachtfernere Bereiche der Kurzschichtenanteil um ca. 25 % gesenkt. Da die Maschinen nicht wie zuvor durch Frischwasser, sondern über einen Kaltwasserkreislauf versorgt werden, wird der Frischwasserverbrauch um 50.000 bis 60.000 cbm je Monat gesenkt.

Unter Leitung von Dipl.-Ing. Hauk wird die gesamte Materialwirtschaft neu organisiert, eine rechnergestützte Materialverfolgung aufgebaut und die Materiallagerhaltung verbessert. Um wertvolles Material unbeschadet von Witterungseinflüssen lagern zu können, wird die frühere Steag-Maschinenhalle instand gesetzt und ausgebaut. Erfolgreich verläuft die Wiedergewinnungsquote von Rücklaufmaterial nach Einrichten eines Sortierplatzes. Die zu entsorgenden Abfallmengen verringern sich von früher 7.000 Tonnen je Jahr auf nur noch 490 Tonnen in 1991.

Die Sanierung der Kläranlage und des Rückhaltebeckens auf dem früheren Kokereigelände wird abgeschlossen. Von der Firma Heitkamp Umwelttechnik sind etwa 40.000 Tonnen kontaminierten Boden nach neuestem Stand der Technik behandelt und eingebracht worden.

Betriebsdirektor Armand Wester verabschiedet sich zum Jahresende 1991 im Alter von fast 60 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird der 33jährige Dr. Reinhard Bassier, vorher Stabstellenleiter auf dem Verbundbergwerk Lohberg/Osterfeld.

Durch 9 Ausfalltage sinkt gegenüber dem Vorjahr die Fördermenge auf rund 1,52 Millionen Tonnen. Die tägliche Fördermenge erhöht sich dagegen von 6.341 auf 6.385 Tonnen.

Der Unternehmereinsatz beträgt täglich 257 Mannschichten.

Die Untertage-Schichtleistung geht 1991 auf 4.617 kg je Mann und Schicht zurück und unterschreitet die Leistung der Ruhrkohle AG um rund 8 %.

Die Förderung wird in einer mittleren Gewinnungsteufe von 902 m mit einer Betriebspunktförderung von 1.682 Tonnen je Tag und einer Gesamtbelegschaft von 2390 Mann erbracht. Der Hauptteil der Förderung wird aus Walzenbetrieben in den mächtigen Flözen Zollverein 2/3 und G 1/2 gewonnen, deren Abbaustrecken mitgeschnitten werden.

Das Ausbruchsvolumen beträgt rd. 41 cbm je 1000 Tonnen verwertbarer Förderung. An Abbaustrecken sind rund 2,6 m je 1000 Tonnen verwertbarer Förderung aufgefahren worden. Die Abbaustrecken sind zu 15 % vorgeleistet.

Das Bergwerk verlassen sozial abgesichert 67 Belegschaftsmitglieder, von anderen Anlagen werden 91 Mann übernommen und 67 Nachwuchskräfte angelegt.

Der Krankenstand der Untertagebelegschaft unterschreitet erstmalig 10 % im Jahresdurchschnitt, der in einem starken Rückgang der Krankenschichten ausländischer Mitarbeiter begründet ist.

Die seit 1988 wieder ansteigenden Unfälle veranlassen Unternehmen und Betriebe zu einer verstärkten arbeitssicherheitlichen Fortbildung der Aufsichten. Um den Trend umzukehren, verkündet der Vorstand Leitlinien über die Gleichrangigkeit von Produktion und Arbeitssicherheit, deren praktische Umsetzung er von jedermann erwartet.

Verstärkt gilt es, arbeitssicherheitliche Gedanken bei Eckleuten und Mannschaften zu vertiefen, da die technischen Einrichtungen als Unfallursache nur in geringem Umfang mitwirken. Das Bergwerk richtet eine abgestufte Organisation von Sicherheitskreisen zur Findung von Unfallursachen und Erarbeitung von sicherheitlichen Verbesserungen ein. Trotz der Bemühungen ist vor allem bei den mittelschweren Unfällen noch kein Erfolg erkennbar. Die Hauptgründe werden in der starken Verjüngung der Aufsichten und der Mannschaft, im geänderten Ausbildungssystem der Aufsichten sowie in der starken Personalveränderung gesehen. Das Unfallgeschehen belastet das Bergwerk mit rund 7 Millionen DM je Jahr.

Seit 1970 sind 1.564 Mann sozialverträglich abgekehrt und von stillgelegten Anlagen 1.158 Mitarbeiter übernommen worden. An Jugendlichen sind in dieser Zeit 1 .716 angelegt worden. Der Erkenschwicker Belegschaftsanteil beträgt nur noch knapp 50 %. Das Durchschnittsalter der Belegschaft ist von 41 auf 33 Jahre gesunken.

Mit dem Durchschlag der südlichen Basisstrecke in Flöz Zollverein 2/3 wird Mitte 1992 eine erhebliche Bereinigung der Infrastruktur erreicht. Kürzere Fahrungszeiten und durchgehende Transportmöglichkeiten verbessern vor allem die Aufklärungsbedingungen in Richtung Olfen, deren Schwerpunkt im Süden der 4. Abteilung auf der 950-m-Sohle liegt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Vorleistung liegt im Aufschluß von Flöz Wasserfall in der zweiten Abteilung. Für die Umfahrung der Bauhöhen wird im September 1992 erstmalig eine Teilschnittmaschine eingesetzt, um den Aufführungsverlust des Vorjahres aufzufangen und in dem ca.1,20 m mächtigen Flöz auf vorgeleistete Strecken durch höhere Abbaugeschwindigkeiten höhere Betriebspunktförderungen zu erzielen. Zur fördertechnischen Anbindung wird ein Gesteinsberg aus dem Querschlag 1 0st aufgefahren. Der Durchschlag mit der Kohlenabfuhrstrecke des laufenden Abbaubetriebes wird im September 1992 erwartet.

Das langfristig geplante Ausrichtungssystem sieht die Entwicklung der 1020-m-Sohle im Betriebsfeld Haard und im Feld Olfen Süd vor. Unter anderem ist ab Mitte 1993 eine Auffahrung von General Blumenthal 8 über Ewald-Fortsetzung 1/3 und 4/5 zum Schacht Olfen 1 mit einer Auffahrungslänge von insgesamt rund 15,5 km geplant.

Aufgrund der vorgesehenen Verbundmaßnahme mit General Blumenthal und der neuen Streckenführung der gemeinsamen Hauptfördersohle im Niveau - 1020-m wird als Alternative zum bisherigen Förderstandort Ewald Fortsetzung 4/5 auch der Standort Ewald Fortsetzung 1/3 in die Planungsüberlegungen einbezogen.

Durch Nutzung und weiteren Ausbau der Infrastruktur bietet sich hier eine Konzentration von Verwaltung sowie Förder- und Aufbereitungsstandort an. Untersuchungen haben gezeigt, daß diese Alternative gegenüber der ursprünglichen Planung wesentliche Kostenvorteile bietet. Eine Entscheidung über den zukünftigen Verwaltungs- und Förderstandort wird jedoch erst getroffen werden können, wenn die wesentlichen Eckpunkte des planungsrechtlichen Verfahrens für den Abbau und das Teufen des Schachtes Olfen 1 abgehandelt sind. Aus heutiger Sicht wird dies nicht vor Ende 1995 der Fall sein.

Am 27. April 1992 werden der Stadt Oer-Erkenschwick, vertreten durch Bürgermeister Clemens Peick, Stadtdirektor Jürgen Naroska, die Fraktionssprecher Ernst Saland (SPD) und Manfred Borowski (CDU) sowie das Mitglied des Landtages, Karl-Heinz Rusche, in Dortmund die Planungsüberlegungen in einem Gespräch mit dem Vorstand der Ruhrkohle Westfalen AG und der Werksdirektion vorgestellt.

Zur Frage des Verwaltungssitzes des Verbundbergwerks Blumenthal/Haard erklärt der Sprecher des Vorstandes, Dr. Wolfgang Arauner, daß die Planung vorsieht, spätestens bis zur Förderaufnahme im Jahre 2003 auch die Verwaltung zu dem neuen Förderstandort zu verlegen. Das genaue Datum wird durch betriebswirtschaftliche Überlegungen bestimmt und kann durchaus vor dem Jahr 2003 liegen.

Weiterhin erklärt Dr. Arauner, daß beabsichtigt sei, die Ausbildung des Verbundbergwerks langfristig an dem neuen Förderstandort zu konzentrieren.

Durch dunstige Abbaubedingungen kann in den ersten sechs Monaten des Jahres 1992 die tägliche Förderung auf 6.711 Tonnen gesteigert und eine Mehrförderung von 51.000 Tonnen erreicht werden. Die Untertageleistung je Mann und Schicht beträgt 4.617 kg. Die Abbaubetriebspunktförderung steigt auf täglich 1855 Tonnen.

Mit einem täglichen Abbaufortschritt am Hilfsantrieb mit rund 15 m/d wird im Schwenkbetrieb Flöz G 1/2 von Reviersteiger Pevec und seiner Mannschaft eine hervorragende Leistung erzielt. Die Mannschaft macht dem Werkschef ein "Geburtstagsgeschenk" und holt mit einem Abbaufortschritt von 20 m/d die gesamte Tagesförderung des Bergwerks aus dem Streb.

Die Bauhöhe 217 in Zollverein 2/3, die nach Ostschwenk insgesamt eine Baulänge von rund 2.900 m erreicht und von Januar 1987 bis Januar 1992 rund 2,3 Millionen Tonnen Kohlen geliefert hat, läuft aus.

Durch Anfahren eines 15-m-Sprunges im Oberort des Flözes G 1/2 verschlechtern sich jedoch die Förderbedingungen für den Restzeitraum des Jahres beträchtlich. Ein Fördereinbruch kann hoffentlich durch das Anlaufen einer neuen Bauhöhe in Flöz Zollverein 2/3 vermieden werden, auch wenn der Start durch das Aufschlitzen des 1600 m langen Richtstreckenbandes nicht gerade glücklich gelungen ist.

BILD 296 Krankenstandsentwicklung Arbeiter unter Tage

BILD 297 Geplante Ausrichtung und Lage der Abbaubetriebe

Durch Übernahme von 154 Mitarbeitern der Bergwerke Haus Aden und Minister Achenbach steigt die Belegschaft auf 2.452 Mann. Abgekehrt sind sozialverträglich 46 Mitarbeiter. Die Anzahl wird sich bis Jahresende auf über 100 Mann erhöhen. Damit ist das Anpassungspotential weitgehend ausgeschöpft. Es ist ein Unfalltoter zu beklagen.

Seit Anfang des Jahres 1992 bauen Auszubildende des Bergwerks Haard ein Stollenmundloch auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Wald lI, der 1860 das Abbaurecht auf Braunkohle in der Haard verliehen wurde. Die Stadt Oer-Erkenschwick, der Kommunalverband und die Ruhrkohle AG wollen mit dem Bauwerk an die kulturhistorische Besonderheit des oberflächennahen Braunkohlebergbaus in der Haard erinnern, über dessen Dauer Genaues nicht bekannt ist. Den Auszubildenden des Bergwerks Haard bietet sich die Gelegenheit, ihr (erlerntes) Können bei der Ausbaumauerung und -Zimmerung zu beweisen und dem kulturhistorisch Interessierten einen Einblick in alte Bergbaukunst zu geben.

Von Januar bis Juni 1992 schließt das Bergwerk mit einem buchmäßigen Ergebnis von 285,70 DM je Tonne verwertbar ab und belegt unter 17 Zechen der Ruhrkohle AG den 13. Platz.

Von den Gesamtkosten betragen die Arbeitskosten 109,83, die Sachkosten 118,23 und die Sonstigen Kosten 59,56 DM. Einen nicht unerheblichen Beitrag zur Ergebnisverschlechterung bewirken die Vorsorgemaßnahmen für erwartete Bergschäden, die mit 0,50 DM in 1988 noch äußerst gering sind und bis 1992 bereits auf 10 DM je Tonne ansteigen.

Das Bergwerk steht kurz vor der Zusammenlegung mit dem Bergwerk General Blumenthal, die nach Vorstandsbeschluß am 1 . Oktober 1992 erfolgt.

Beim ersten Schritt werden die Verwaltungen zusammengeführt. Die Markscheiderei, die Stabstelle und die Personalverwaltung wechseln zum Standort General Blumenthal 1/7 in Recklinghausen. Bis zur beabsichtigten Förderreduzierung soll der Allgemeine Dienst von 285 auf 200 Arbeitsstellen, davon bereits 50 in 1993 abgebaut werden.

Verstärkt zurückgefahren wird die Ausbildung. Anstelle von bisher zusammen 200 Ausbildungsverträgen pro Jahr sollen in den nächsten Jahren nur noch 90 pro Jahr abgeschlossen werden.

Ab 1996 wird der Förder- und Aufbereitungsbetrieb am Standort Ewald-Fortsetzung 1/3 eingestellt, von den 300 Arbeitsplätzen geht die Hälfte verloren Von den verbleibenden 14.000 Tonnen Tagesförderung entfallen 6.000 Tonnen verwertbare Förderung auf das Baufeld Haard.

Das frühzeitige Ende kommt für viele überraschend und schmerzt alle, die unermüdlich seit 1970 am Bau des neuen Anschlußbergwerks mitgearbeitet haben.

Mit der kohlepolitisch erzwungenen Verbundmaßnahme - so bitter sie in ihren Auswirkungen für viele persönlich auch sein mag - hat das Unternehmen Augenmaß bewiesen und den Zugriff auf den großen Planungsraum Olfen aufrecht erhalten. Zentrales Element auch des neuen Verbundbergwerkes bleibt der Weg nach Osten in das direkt an das Baufeld Haard angrenzende Baufeld Olfen Süd und aus Rationalisierungsgründen die Errichtung eines neuen Förderstandortes in Erkenschwick bis zum Jahre 2003.

Damit hat nicht nur die Belegschaft dieses Bergwerks eine langfristige Perspektive, sondern auch die Gemeinde Oer-Erkenschwick als Bergbaustadt. Sie ist diesem Industriezweig schon über 40 Jahre Heimat.

In einer erneuten planerischen Mitteilung hat das Unternehmen im März 1992 diese Absicht dem Regierungspräsidenten Münster, dem Bergamt Recklinghausen und dem Landesoberbergamt mitgeteilt und ein raumplanerisches Verfahren eingeleitet.

Am 18. März 1992 stellen der Vorstand und die Werksleitung dem Kreistag Coesfeld das Vorhaben in der Stadthalle Olfen vor und befahren mit den Abgeordneten den Standort der künftigen Anlage Olfen 1/2.

Damit der Eingliederungsprozeß möglichst ohne Reibungsverluste verläuft, wechseln im Juni die Betriebsdirektoren Hein Müllensiefen vom Bergwerk General Blumenthal zum Bergwerk Haard und Dr. Reinhard Bassier zum Bergwerk General Blumenthal. Nunmehr heißt es, die schwierigen personellen Probleme mit Weitblick abzuwickeln und die Chance zu nutzen, ein leistungsfähiges Verbundbergwerk zu bauen und es mit Leben und Gemeinschaftssinn zu füllen. Erforderlich sind ein partnerschaftliches Verhältnis sowie Solidarität und tatkräftige Unterstützung auf beiden Seiten.

Das Bergwerk ist technisch gerüstet und bringt eine leistungswillige Belegschaft ein.

Es hat während seiner Lebensdauer von über 90 Jahren rund 80 Millionen Tonnen Kohlen gefördert. Der Förderbetrieb ruhte in den dreißiger Jahren fast acht Jahre. Von den insgesamt 194 tödlich verunglückten Bergleuten forderte das schwere Unglück im Seilfahrtschacht allein 17 Menschenleben.

Anton Stark wünscht auf der letzten Belegschaftsversammlung am 13. September 1992 in der Stadthalle Oer-Erkenschwick seinem Nachfolger Hans Gärtner, der das neue Verbundbergwerk führen wird, eine höffige Lagerstätte Olfen und viel Bergmannsglück zur Lösung der anstehenden schwierigen Aufgaben. Er bedankt sich bei der Führungsmannschaft und der Belegschaft für die stets gezeigte Einsatzbereitschaft. Für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und aktive Mitarbeit zur Bewältigung der nicht immer leichten Aufgaben im Betrieb bedankt er sich beim Betriebsrat. Der Stadt Oer-Erkenschwick als Mitstreiter um den Erhalt der Zeche wünscht er eine Fortsetzung der stets guten partnerschaftlichen Zusammenarbeit und einen erfolgreichen Abschluß der Bemühungen um den Förder- und Verwaltungsstandort in Oer-Erkenschwick.

BILD 299 Ausbilder Erich Krawczyk mit Auszubildenden