10-3 Planung des Verbundbergwerks Haard/Olfen



Um den Ersatz auslaufender Lagerstättenkapazitäten zu sichern, ändert nach der zweiten Ölkrise die Bergbau AG Lippe das Aufschlußkonzept des Planungsraumes Haard/Haltern.

Danach dient das Haltern-Feld mit dem Reservefeld Hohe Mark ausschließlich dem Ersatz der Förderkapazität des Bergwerks General Blumenthal. Vom Bergwerk Haard aus, soll dagegen - wie bisher geplant das Baufeld Haard mit vier Achsen entwickelt, die Förderung stufenweise auf 8.000 Tonnen Kohlen täglich ab 1987 gesteigert und durch Erschließung des angrenzenden Olfen-Feldes Teile der auslaufenden Fördermöglichkeiten in der Emscher-Mulde ersetzt werden. Entsprechend dieser langfristigen Planung wird seit 1978 ein umfangreiches Explorationsprogramm mit Tiefbohrungen und seismischen Messungen durchgeführt.

Bereits im Februar 1979 berichtet Vorstandsmitglied Kleinherne anläßlich des Schacht- und Tunnelbaukolloquiums in Berlin über erste positive Bohrergebnisse im Planungsraum Olfen.

BILD 225 Planungsraum Olfen

Der 80 qkm große Planungsraum Olfen ist nach 40 km seismischer Messungen und 17 Tiefbohrungen so weit aufgeschlossen, daß die Struktur der Faltung, die tektonischen Schollen, die Schichtenfolge und die Flözausbildung im wesentlichen bekannt sind. Das Lagerstättenmodell weist eine entwicklungsfähige Lagerstätte aus.

Der Planungsraum wird wie das Haardfeld von der weitgespannten sich nach Nordosten öffnenden Lüdinghausener Mulde zwischen dem Auguste-Victoria-Sattel im Norden und durch den General-Blumenthal/Schlägel & Eisen-Sattel im Süden geprägt.

Der erste Aufschlußplan, der Mitte 1980 in die Bergbauplanung der Ruhrkohle AG eingeht, sieht vor, zunächst den südlichen Feldesteil zu entwickeln.

BILD 226 Zuschnittsplanung Olfen

Das etwa 28 qkm große Baufeld Olfen Süd liegt in den Kreisen Recklinghausen und Coesfeld des Regierungsbezirkes Münster und liegt unter Teilen der Städte Haltern, Datteln, Olfen und Lüdinghausen.

Bis zur Teufe von -1300 m NN steht ein ausgewählter technisch gewinnbarer Planvorrat von insgesamt rd. 72 Millionen Tonnen Kohlen an, davon sind 25 Millionen Tonnen oberhalb der 1000-m-Sohle.

Der Aufschluß soll durch drei Schächte und drei Querschlagsachsen sowie durch im Süden und Norden am Baufeldrand liegende Richtstrecken erfolgen. Die 7,5 km lange südliche Richtstrecke verbindet die Schächte Ewald-Fortsertzung 1/5 und Olfen 1/2. Die Auffahrung der Richtstrecke auf der 1100-m-Sohle soll vom Schacht 5 aus mit einer Vollschnittmaschine erfolgen. Dazu ist der Schacht 5 um ca. 200 m tiefer zu teufen und mit einer Förderanlage auszustatten.

Während 1981 Öl, Gas und Einfuhrkohlen sich weiter stark verteuern, zeichnet Vorstandsmitglied Kleinherne im April den Räten von Datteln und Olfen ein Bild des Abbauvorhabens Haard/Olfen.

Die Fördermenge aus dem Feld Haard/Olfen könne von 8.000 Tonnen Kohlen 1987 auf 16.000 Tonnen verwertbare Kohlen entsprechend 32.000 Tonnen Rohkohlen täglich bis Ende der neunziger Jahre gesteigert werden. Schon ab 1985 werde das Fördervermögen des für die Bergwerke General Blumenthal und Haard gemeinsamen Förderschachtes General Blumenthal 11 in Herne-Wanne überschritten, was zum Heben des Überschusses im Schacht Ewald-Fortsetzung 1 zwinge. Die Zielmenge jedoch erfordere eine neue Förder- und Aufbereitungsanlage.

Wegen des beengten Platzes am Standort der Schächte Ewald-Fortsetzung 1 /3 und ihrer Lage zum Stadtkern könne statt dessen auch an die Schächte 4/5 in Rapen als Standort gedacht werden. Ein 20 Hektar großes unbebautes Gelände sei nördlich der Schächte für Sieberei, Aufbereitung, Bergevorabscheidung, Rohwaschkohlenmischanlage, Energiezentrale, Büro- und Kauengebäude vorhanden. Das nördliche Dillenburggelände biete sich für eine Bergehalde an, die auf kürzestem Wege über Förderband beschickt werden könne, abseits von Wohngebieten liege und als Landschaftsbauwerk so gestaltet werden könne, daß Förder- und Aufbereitungsanlagen gegen die nördliche Landschaft abgeschirmt seien. Es sei inzwischen üblich, Großhalden nach Plänen von Landschaftsarchitekten, Agrarbiologen, Klimatologen und Baufachleuten in die Landschaft einzupassen und später vielfältig zu nutzen. Nach Berechnungen könne die geplante Anlage an den Schächten 4 und 5 in Rapen Anfang der neunziger Jahre betrieben werden, wenn 8.000 Tonnen Kohlen täglich gefördert würden.

Ein vom Regierungspräsidenten vorgelegter Gebietsentwicklungsplanentwurf über Bergehalden im nördlichen Ruhrgebiet greift 1982 die Planungen der Bergbau AG Herne-Recklinghausen auf und sieht die planerische Inanspruchnahme des Gebietes "An der Dillenburg" als geeigneten Haldenstandort vor. Nach dem 1984 genehmigten Gebietsentwicklungsplan soll die Bergehalde Dillenburg der Entsorgung der direkt benachbarten Förderschachtanlage Haard dienen.

Auf der Schachtanlage wird am 15. November 1982 die bereits von Kleinherne skizzierte Anschlußkonzeption für den Planungsraum Haard/Olfen, dem Mitglied des Vorstandes für Technik im Vorstand der Ruhrkohle AG, Dr. Erasmus vorgestellt. Diese Grundplanung wird im Nordwanderungskonzept der Ruhrkohle AG nach Anhörung beim Minister für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im September 1985 fortgeschrieben; dies erfolgt ebenso in der Bergbauplanung 1985.

BILD 228 Schachtstandort Ewald-Fortsetzung und Bergehalde

Zielsetzung nach Wiederinbetriebnahme des Schachtes Ewald-Fortsetzung 1 ist als erster Schritt einer Kapazitätsentwicklung auf dem Standort in Erkenschwick-Rapen die Inbetriebnahme einer ersten Aufbereitungsstufe für 8.000 Tonnen Kohlen je Tag, und nachfolgend diese Fördermenge auf einen der in Rapen vorhandenen Schächte zu verlagern.

Ab 1. Juli 1986 wird der Schacht Ewald-Fortsetzung 1 mit einer Teilaufbereitungsanlage wieder in Betrieb genommen. Für das Tieferteufen des Schachtes Ewald Fortsetzung 5 um 230 m werden im Investitionsprogramm 1987 19,3 Millionen DM genehmigt.

Die Einleitung zur Erschließung des Olfen-Feldes erfolgt mit dem Tieferteufen des Schachtes Ewald-Fortsetzung 5 im September 1987.

Mit der Abgabe einer planerischen Mitteilung beim Bergamt Recklinghausen im Jahre 1988 wird vom Bergwerk der behördliche Verfahrensweg über das "Projekt Olfen Süd" eingeleitet. Die Mitteilung enthält alle wesentlichen Eckdaten über die Erschließung des Feldes Olfen Süd. Danach soll der erste Schacht in den Jahren 1992 bis 1997 getauft werden und die Auffahrung der 1100-m-Sohle vom Schacht Ewald Fortsetzung 5 aus mit einer Vollschnittmaschine ab Mitte 1992 erfolgen.

Vorstand und Werksleitung erörtern in regelmäßigen Gesprächen mit dem Rat der Stadt Olfen und Vertretern einer interfraktionellen "Interessengruppe Bergbau" den Stand des Vorhabens, insbesondere Probleme über Auswirkungen des Abbaus auf die Lippe und das Grundwasser. Kritische Gesprächspartner sind vor allem die Herren Himmelmann und Graf Hagen Plettenberg.