10-2 Bau der Schachtanlage An der Haard 1




Das eigentlichen Abteufen des Haardschachtes beginnt im August 1978. Der Gefrierschachtteil wird in fünf Monaten fertiggestellt. Ab Januar 1979 wird der Gleitausbau in den oberen 160 m eingebracht.

Auf einer ringförmigen Stahlbetongründung mit Widerlager im festen Gestein wird eine wasserdicht verschweißte Stahlröhre von 8 mm Wanddicke aufgebaut. Zwischen Stahlröhre und Außenschale verbleibt ein 25 cm weiter Ringraum, der später mit zähflüssigem Asphalt als Gleitschicht verfüllt wird. In die Stahlröhre wird schlüssig eine 70 cm starke Ortbetonstahlröhre gesetzt. Der Schachtausbau im Fließsandbereich wird im März 1979 fertig.

Ende Oktober 1979 erreicht der Schacht An der Haard 1 nach Weiterteufen im standfesten Deckgebirge das Steinkohlengebirge und die Teufe der 800-m-Sohle. Dabei werden Fortschritte erreicht von bis fast 5 m täglich und bis zu 108 m monatlich einschließlich Einbringen der gebirgsverbundenen, aus Ortbeton gegossenen 40 cm dicken Stahlbetonschale.

Die Füllörter erhalten nachgiebigen, mit 30 cm Beton hinterfüllten Bogenausbau aus Rinnenprofilen, die ersten Bögen beiderseits des Schachtes zusätzlich nachgiebige Sohlensegmente. Auch der Schacht erhält je 10 m ober- und unterhalb der Füllörter hinterfüllte nachgiebige Ringe, die zusätzlich oberhalb und unterhalb der Füllortachse nach oben bzw. unten mit schmaler werdenden Leichtbetonsteinen hinterfüllt werden. Diese sollen als Gleitflächen verhindern, daß seigere First- oder Sohlenbewegungen im angrenzenden Füllort den Schachtausbau im Grenzbereich zerstören. Die Flöze werden im Schachtstoß der Flözdicke entsprechend, jedoch mindestens 1 m tief, ausgekohlt. Im Bereich mächtigerer und bauwürdigerer Flöze wird der Schacht mit nachgiebigen Stahlringen und Blechverzug ausgebaut. Die Ringe werden nur teilweise mit Leichtbeton hinterfüllt, um der durch Zusatzdruck auf die Schachtröhre zuwandernden Kohle Freiraum zu geben, bevor sie gegen den Schachtausbau drücken kann. Die Ringräume der nicht bauwürdigen Flöze erhalten Brandkissen als Druckpolster zwischen Schachtbeton und Kohle.

Die Brücke zwischen Schacht und Füllortausbau bilden stählerne nachgiebige Anschlagglocken, bestehend aus einem Trägervieleck unter dem Schachtausbau und gespreizten nachgiebigen Bogenstützen, die das Trägervieleck tragen und seitlich vom Schacht gleichzeitig Füllortausbau sind. Auch die Anschlagglocken werden 30 cm dick mit Beton hinterfüllt.

BILD 210 Einbringen des Betons vor den Stahlringen

Vom November 1979 bis Ende Januar 1980 werden Schachtglocke und Füllortansätze der 800-m-Sohle fertig.

Anfang 1980 wird der Haardschacht unterhalb der 800-m-Sohle weitergeteuft und nach Durchstoßen der Flöze C 1/2, B 1/2, Zollverein 1, Zollverein 2 und Zollverein 3 im April die 950-m-Sohle erreicht. Flöz Zollverein 2 erhält einen Anschlag, weil in ihm ein "Schutzabbau" geplant ist. Von Flöz zu Flöz steigen die Wasserzuflüsse bis auf 115 Liter je Minute; sie werden mit dem Kübel gehoben und geschlossen zur Lippe geführt. Im Juni 1980 werden Schachtglocke und Füllortansätze 950-m-Sohle fertig und die Flöze Zollverein 5 und 6 durchteuft, im Juli die weiteren Flöze Zollverein 7 und 8.

Mitte September beginnt das Schachterweitern und das Herstellen der Füllortansätze im Bereich der 1100m-Sohle. Da Abbaueinwirkung nicht zu erwarten ist, das tiefste Flöz im Schacht liegt 75 m höher, werden Schachtglocke und Füllortansätze in Anker-Spritzbetonbauweise ausgeführt. Nach abschlagweisem Festmachen der Stöße und Firste mit einer 5 cm starken Spritzmörtelschicht werden etwa 5 bis 6 m lange und 30 mm starke Anker mit je 50 Tonnen Zugkraft zu etwa 1,5 Stück je qm Stoßfläche gesetzt und auf ganzer Länge im Bohrloch mit Sondermörtel verklebt. Auf den Ankerköpfen werden zweischichtig in 5 cm Abstand Baustahlmatten befestigt und mit 10 cm dicker Mörtelschicht eingespritzt. Insgesamt 880 qm Fläche werden geankert; das umgebende Gebirge wird meßtechnisch auf Bewegungen überwacht. Auf der 1100-m-Sohle sind die Kosten der Schachtglocke mit Füllortansätzen von 2,15 Millionen Mark um rd. 0,3 Millionen Mark niedriger als die mit Rücksicht auf Abbaueinwirkungen bei den oberen Anschlägen normalerweise gewählten Schachtglocken aus Stützausbau.

BILD 211 Füllort 800m-Sohle

Am 4. Dezember 1980, dem Barbaratag, erreicht der Schacht An der Haard 1 bei 1115 m seine Endteufe. Der Aufwand für den Schacht beträgt rund 55 Millionen DM.

Ab Anfang 1981 werden im neuen Schacht Stahlspurlatten und Rohrhalter mit Kunststoff-Klebeankern befestigt, auf den Sohlen die Schachtstühle gesetzt. Bis Ende Juni sind Spurlatten und neue Rohrleitungen eingebaut; letztere dienen zunächst teilweise zur Sonderbewetterung. Eine Sumpfpumpe hebt die aus dem Karbon zusitzenden Wässer, die geschlossen in die Lippe fließen. Schachtbefahrungen werden mit der ortsbeweglichen Winde des Technischen Sonderdienstes der Bergbau AG Lippe getätigt. Verschieden lange Dehnungsmesser im Flözbereich des Schachtes registrieren Schachtbewegungen durch späteren Abbau. Die Schachtwandung wird mit engmaschigem Drahtgeflecht überzogen und 3 m tief geankert. Der wie erwartet gesunkene Asphaltspiegel im Ringraum des Gleitausbaus wird aufgefüllt.

BILD 212 Durchschlag in Flöz Zollverein 5

Über Tage beginnen im Februar 1981 nach Abstecken des Betriebsgeländes das Roden und die Bauarbeiten; der Ausbau der Redder Straße vom Jammertal zum Schacht wird Ende Juli fertig; sie ersetzt den bis dahin erheblichen Umweg über Flaesheim zum Schacht. Das Schachtteufgerüst ist für den ersten Haltern-Schacht frei.

Im Juli 1981 steht die Vortriebskolonne des Gesteinsunternehmers Gewerkschaft Walter im Flöz Zollverein 5 etwa 250 m vor dem Haardschacht und die des Gesteinsunternehmers Frölich und Klüpfel wird mit der 2. Richtstrecke aus der 1. Achse in die Abteilung 2 Ost, 950-m-Sohle durchschlägig. Beide Vortriebe müssen den Halterner Sprung durchörtern und stehen in den Gaskohlenschichten. Der Querschlag 2 0st trifft nach Ostschwenk nicht das erwartete Zollverein 2, sondern das flach nach Osten unter der Füllortachse zum Schacht einfallende 1,50 m mächtige Flöz Zollverein 5.

In diesem Flöz soll Schutzabbau betrieben werden, um das Füllort standfest zu erhalten und vor Aufbrechen der Sohle zu bewahren. Daher wird 50 m nördlich eine Flözstrecke bis östlich des Schachtes An der Haard 1 geführt; sie wird am 8. Oktober 1981 mit ihm durchschlägig.

Der Durchschlag wird von Werksleitung, Bergbehörde, Betriebsführung, beteiligten Gesteinsunternehmern und Betriebsrat gemeinsam befahren und gefeiert. Bis zu diesem Ereignis sind seit 1971 rd. 28 km Strecken aufgefahren. Erste Frischwetter aus der Haard strömen in die Grube. Der Anteil der Kurzschichten geht von 80 auf 60 % zurück.

Anfang Dezember 1981 ist bei klarem Frostwetter Richtfest am Schacht An der Haard 1. Das Betriebsgebäude ist im Rohbau fertig. Der Vertreter der Stadt Datteln freut sich, daß Datteln wieder Bergbaustadt wird. Werksleiter Jünemann und Betriebsratsvorsitzender Saland begrüßen die Gäste, halten Ansprachen und danken den Männern der Bauunternehmung Strabag.

Am 10. Juni 1983 ist bei heiterem Wetter feierliche Einweihung der neuen Schachtanlage "An der Haard 1". Unter den Klängen der Bergmannskapelle "Am Brunnen vor dem Tore" empfangen Vorstand, Werksleitung und Betriebsrat die Gäste aus Kirche, Politik, Gewerkschaft, Wirtschaft und Verwaltung.

Bergwerksdirektor Stark begrüßt den Bischof von Münster, Dr. Reinhard Lettmann, und den Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Dr. Heinrich Reiß, und dankt ihnen, mit den Bergleuten und Gästen einen ökumenischen Gottesdienst feiern zu wollen. Er begrüßt den Landeswirtschaftsminister, Bundes- und Landtagsabgeordnete, Aufsichtsräte und Vorstände der Ruhrkohle AG und der Bergbau AG Lippe, den Regierungspräsidenten, den Präsidenten des Landesoberbergamtes, die Bergamtsleiter, die Bürgermeister von Datteln, Oer-Erkenschwick und Haltern mit Räten und Verwaltung, die Repräsentanten des Kreises und der Kreisverwaltung, den geschäftsführenden Vorstand der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie, Belegschaft, Betriebsrat und ehemalige Mitarbeiter, die Vertreter der Medien; er dankt allen, die zum Gelingen des Werks beigetragen haben herzlich, und wertet ihr Erscheinen als Verbundenheit zur Kohle und trotz deren Tiefs als Vertrauen auf deren Zukunft.

Das Werk zu errichten, habe zwölf Jahre gedauert, davon der Bau der sichtbaren Gebäude nur zwei Jahre; mit einem bisherigen Aufwand von rd. 350 Millionen DM würden außer 2.500 Arbeitsplätzen beim Bergwerk Haard auch mehrere tausend Arbeitsplätze vom Bergbau lebender Menschen dieser Gegend gesichert. Das Werk habe nur entstehen können, weil Arbeiter, Angestellte und Führungskräfte mutige Vorstandsentscheidungen in die Tat umzusetzen halfen. Es sei ein kleines Wunder, daß das Bergwerk mehr als 80 Jahre überdauert habe und weiterlebe.

BILD 214 Begrüßung und Gottesdienst

Betriebsratsvorsitzender Saland heißt alle zur Feier des großen Ereignisses willkommen. Man habe sich 30 km in den Berg "gefressen", dafür danken 2.500 Bergleute sowie die stolzen Gemeinden Datteln und Oer-Erkenschwick. Wenn ein Gottesdienst die Einweihung begleite, wisse er: außer Unternehmen und Politik begleite auch Gottes Segen den Weg der Kohle nach Norden. Dieser Tag solle gemeinsame Mahnung an Politiker sein, den Bergbau nicht ins Abseits zu stellen.

Bischof Dr. Lettmann knüpft im Gottesdienst an den biblischen Schöpfungsbericht. Ohne Arbeit und Anstrengungen von Geist und Technik könne die Erde ihre Menschen nicht ernähren; die neue Schachtanlage diene dem Menschen. Wie sie im Erholungsgebiet Haard angelegt sei, zeige wie sehr man versucht habe, die Natur als Schöpfung zu bewahren. Arbeit verhelfe zu Nahrung, Kleidung und Wohnung und zu sinnerfülltem Leben. Dem Recht auf Leben folge das auf Arbeit. Bei abnehmenden Arbeitsplätzen müsse neu überdacht werden, wie die Arbeit aufzuteilen sei. Langjährige gute Arbeiter sollen niemals allein Opfer wirtschaftlicher Veränderungen sein. Die schwere und gefährliche Bergmannsarbeit solle gerecht, menschenwürdig, kameradschaftlich und von Zusammenarbeit getragen sein.

BILD 215

BILD 216 Frohes Zusammensein mit Gästen und Bevölkerung

Der neue offene Schacht in Datteln freue ihn und Bevölkerung und Stadt. Bergbau und Gewerkschaft werden in Münster stets Freunde des Bergbaus finden, der weiter in das Bistum Münster vordringe. Der Gottesdienst sei Zeichen, die Verantwortung vor Gott und den Menschen zu sehen und alle hier arbeitenden Männer und deren Familien unter Gottes Schutz zu stellen.

Präses Dr. Reiß stellt die Zuversicht auf Gott in den Mittelpunkt seiner Predigt. Zwar erhalte und sichere die neue Schachtanlage Arbeitsplätze, aber es seien doch zwei Millionen Menschen arbeitslos und ein arbeitsloser Jugendlicher könne keine Gesellschaft bejahen, die ihm sage, daß sie ihn nicht benötige. Um Frieden und Hunger sowie Unterdrücken von Rassen und Meinungen müsse man sich sorgen und Sorgen gebe es auch bei Menschen mit Arbeit, Geld und Gesundheit; Ehen seien gefährdet, Familien zerbrächen, Eltern und Kinder vertrügen sich nicht. Man könne die Frage nach seinem Gottesverhältnis nicht einfach verdrängen; das Leben müsse noch tieferen Sinn haben. Jahrzehntelange Erziehung ohne Gott habe das Problem nicht gelöst; zum ganzen Menschen gehöre wesentlich eine Gottesbeziehung. Ein Christ sehe zuversichtlich in die Zukunft. Es nütze nichts, nur für etwas zu beten, ohne sich auch tatkräftig dafür einzusetzen; deshalb müßten Kirchen auch politisch sein. Mit dem Meisterwerk der neuen Schachtanlage setze Gott ein Zeichen, daß Zuversicht das Handeln leiten solle; Gott erinnere daran, daß er nicht aus dem Leben entfernt werden dürfe; er möge alle vor Schaden bewahren, die auf der neuen Schachtanlage arbeiten.

Es folgen Gebete und eine Lesung mit Versen aus dem Buche Hiob "Erhabenheit und Weisheit" über uralte Bergbaukunst.

Der Kirchenchor St. Peter und Paul aus Oer und der Posaunenchor der evangelischen Gemeinde von Erkenschwick umrahmen den Gottesdienst musikalisch, den unter freiem Himmel 2.500 Menschen mitfeiern. Knappen der traditionsreichen örtlichen Vereine im Bergkittel und Fahnenabordnungen der kirchlichen Gruppen halten Ehrenwache.

Dem Gottesdienst folgt ein Vorstellen der Gebäude und der technischen Anlagen, die nach Plänen des bekannten Münchener Architekten Prof. Henn errichtet wurden. In den Räumen der neuen Waschkaue und auf dem Schachtplatz wird der Tag bis in den späten Abend gefeiert.

Die niedrigen Betriebsgebäude, äußerlich Quader und Zylinder zufällig in den Landesfarben Grün-Weiß-Rot, umfassen den Schachtturm und südlich von diesem das Hauptgebäude, die Energiewirtschaftsgebäude und das Schalthaus. Sie beanspruchen rund einen Hektar von 8,5 Hektar Gesamtfläche. Nördlich des Schachtturmes liegt der befestigte Betriebsmittelumschlagplatz mit Schüttgutfächern und geschlossenen Speichern für staub- und kornförmige Baustoffe, östlich sind Parkplätze für 450 Personenkraftwagen vorgelagert. Die gesamte Fläche ist tiefer gelegt als die Umgebung, eingefaßt von grasbesäten, nadelholzbepflanzten und der Landschaftsform angepaßten Wällen, umgeben von einer für das Auge durchlässigen schlichten Einfriedung.

Der von weißem Turm und Halle mit Ziegelsteinwänden überbaute Schacht hat einen dreigeschossigen Großkorb mit 6,40 m x 2,60 m Bodenfläche für 20 Tonnen Nutzlast, der auch sehr sperrige und schwere Teile oder aber 150 Bergleute gleichzeitig befördern kann.

Um Platz zu sparen, steht die Fördermaschine über dem Schacht im Turm; um diesen in der Landschaft möglichst zu verbergen, entspricht der Durchmesser der Förderseiltreibscheibe, an der Korb und Gegengewicht hängen, mit nur 2,80 m dem Mittenabstand dieser beiden. Das spart die Höhe eines Seilablenkstockwerkes im Turm und beschränkt dessen Höhe auf 39 m und den Seildurchmesser, der wegen der Seilbiegebeanspruchung nur 1 % des Treibscheibendurchmessers betragen darf, auf 30 mm. Daher muß die vorgesehene Nutzlast von 20 t auf 10 Seile dieses Durchmessers verteilt werden und führt erstmalig in Deutschland zu einer Zehnseilförderanlage. Die Konzeption dazu hat die Hauptabteilung Maschinen- und Elektrotechnik der Hauptverwaltung der Bergbau AG Lippe unter Leitung von Herrn Eichholtz erarbeitet. Ein wichtiger Ideenträger ist Herr Offergeld.

BILD 218 Gesamtansicht Schacht An der Haard 1

Besondere Details der Förderanlage sind die seitliche Großkorb-Rollenführung, mit der bei den Sohlenanschlägen auf einziehbare Spurlatten verzichtet werden kann sowie die hydraulisch betätigte Seilklemmvorrichtung zum "Hängseilfahren" beim Seilkürzen und der druckluftbetriebene Rolladen-Korbverschluß.

Die Siemens-Gleichstromfördermaschine mit 2600 kW Leistung fördert Material mit 18 m je Sekunde. Personen fahren mit 12 m je Sekunde oder 43 km je Stunde. Daneben hat der Schacht eine Hilfsfahranlage aus einem dreibödigen Korb von 1,0 m x 1,6 m Bodenfläche für 1,7 t Nutzlast oder 24 Personen mit Trommelfördermaschine von 530 kW Leistung und 2 m je Sekunde Fahrgeschwindigkeit. Es ist die erste Zweiseilbobine im Ruhrgebiet. Für die gesamte Förderanlage müssen 22 Millionen DM aufgewendet werden.

Ziegelmauerwerk zeigt das nur 7 m hohe, an den Schachtturm mit einer weißen Personenbrücke angebundene Hauptgebäude mit Tiefgeschoß. Es hat viele kleine Fenster oder ist fast fensterlos nach Nordosten und Nordwesten und hat wintergartenartige Fenstervorbauten nach Süden.

Der Bau umfaßt auf 90 m mal 64 m Fläche überwiegend die 2.770 Mann fassende Schwarz-Weiß-Kaue, ferner im Nordosten die Arbeitsräume von Werksleitung, Betriebsführung und Fachabteilungen, im Südwesten die Räume des werksärztlichen Dienstes, der Lampen- und Filterstube, des Kleinzeugvorrats und Maschinenwartungsräume. Dachfenster vermitteln innen liegenden Räumen das Tageslicht. Ziegelgleichen Plattenbelag haben die Fußböden, die Innenwände haben wie die Außenwände rotes Ziegelmauerwerk, die Decken sind Sichtbeton; alles schluckt wenig Schall und erlaubt leise zu sprechen.

Im Treppenhaus fällt das Werk des Künstlers Hermann Kunkler aus Raesfeld ins Auge: es stellt das vom Bergbau geprägte Innenleben der Erde dar - wie der Künstler es sieht.

Die grünen Energiewirtschaftsgebäude umfassen Drucklufterzeugung, Grubengasabsaugung und Wetterkühlung; daran schließen sich Warmwasserkesselanlage und Flüssigbrennstoffbehälter an.

Die elektrische Energie wird aus der 110-kV-Freileitung bei Flaesheim und der dortigen Schaltstation über 30-kV-Erdkabel dem Schalthaus zugeführt. Die Fördermaschine ist über eine 30-kV-Unterverteilung angebunden. Im übrigen wird der Strom auf 10 kV für die Grube, auf 5 kV für die Maschinen über Tage und auf 380 V umgespannt.

Für den Druckluftbedarf der Grube sind bis zu vier elektrisch betriebene Schraubenverdichter mit Leistungen von je 20.000 cbm angesaugter Luft vorgesehen.

Frischwasser wird über zwei Leitungen aus dem öffentlichen Netz bezogen und einer Ringleitung zugeführt. Kauenabwässer fließen der Ahsener Kläranlage, Abwässer des Betriebsgeländes über Rückhaltebecken dem Gernebach zu.

BILD 220 Großkorbtechnik

BILD 221 Moderner Industriebau

BILD 222

BILD 223 Kunst im Bergbau

Warmwasser zum Waschen und Heizen liefern zwei wechselweise mit Grubengas oder Öl befeuerbare Kessel von je 2,1 MJ/s Leistung. Die Kessel müssen außerhalb des Sommers nur den Wärmebedarf zwischen 700 und 2.500 MWh erzeugen, weil bis zu 2,5 MJ/s Wärme, aus der Abwärme der Luftverdichter und der Waschkauenabluft gewonnen, der Wassererwärmung und der Schachtbeheizung bei Frost dienen. Bis zu 1.800 cbm Grubengas stündlich sollen drei Gebläse absaugen; sie erhöhen damit die Grubensicherheit und liefern einen unweltfreundlichen Brennstoff. Um in der Grube vor Ort die Temperatur niedrig zu halten, ist in Baustufen von 4,6 und 7,3 MW Kälteleistung eine zentrale Wetterkühlanlage vorgesehen. Die technischen Einrichtungen des Tagesbetriebes kosten rund 28 Millionen DM.

Einige Gleislosfahrzeuge auf dem mit fester Decke belegten etwa 1,5 Hektar großen Betriebsmittelumschlagplatz weisen auf die seit 1980 mit Bundesmitteln erforschte neue Transporttechnik in der Grube hin, auf die der Schacht mit seinem Großkorb wie auch neue Strecken in der Grube zugeschnitten sind.

BILD 224 Messingplakette

Mit einer Festschrift erinnert der Vorstand der Bergbau AG Lippe an die Einweihung der Schachtanlage "An der Haard 1" und stellt das Werden, die Bedeutung, die neue Technik und die Architektur in Umrissen vor.

Die Idee des Künstlers "Bilder aus dem Bauch der Erde" wird als Grundmotiv einer Erinnerungsplakette in Messing gegossen.