8-2 Von der Ewald-König Ludwig Gesellschaft zur Ruhrkohle AG



Gesellschaft und Hauptverwaltung verlegen 1958 ihren Sitz von Herten nach Recklinghausen in das neue Gebäude an der Lessingstraße.

Ende 1959 erläutert Bergwerksdirektor Möhlen, Kaufmann im Vorstand der Hauptversammlung, den Zwang, sich der schlechteren Absatzlage anzupassen. Er führt aus, es bahnten sich am Energiemarkt Westdeutschlands ernste Gefahren für die teuer geschaffenen Kohlenbergbaukapazitäten mit sozialen Folgen an. Da der Bergbau seine Kohlenpreise den niedrigen Ölpreisen nicht angleichen könne, müsse er sich weiterhin unter äußersten eigenen Anstrengungen mit Hilfe der Regierung allmählich auf die neue Lage einstellen. Es gebe schon 18% weniger Abbaubetriebspunkte als 1958 und diese auch in besseren Flözen. Um den Absatz zu beleben, seien schon Kohleneinfuhrverträge mit erheblichen Mitteln abgelöst worden. Der Bergbau sei bereit, sich anzupassen und weiter bestrebt, die jahrzehntealte Aufgabe zu erfüllen, “die Hauptlast der Energieversorgung zu tragen"; der Bergbau werde damit auch die Zulieferer wirtschaftlich günstig beeinflussen. Möhlen hält ein weiteres Schrumpfen des Kohlenbergbaus für unvermeidlich. Alle Anstrengungen müßten aber darauf gerichtet sein, dieses wirtschaftlich und sozial bestens zu gestalten.

BILD 127 Dr. Karl Georg Müller

Ende 1959 wird die Bergbau Aktiengesellschaft Ewald-König Ludwig die Ewald-Kohle AG umgewandelt. Sie hat ein Grundkapital von 100 Millionen Mark. Nach Abfinden der freien Aktionäre gehört sie zu 100% der bundeseigenen Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbetriebe Salzgitter. Bergwerksdirektor Dr. Ing. Hillenhinrichs vom Grubenvorstand der Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Haus Aden wird zusätzlich in den Vorstand der Gesellschaft berufen.

Im Jahre 1960 scheidet Bergwerksdirektor Bergassessor Hellmut Reimann aus dem Vorstand, dem er seit 1939 angehört.

Bis Ende 1960 wird der Bestand von 1954 um 38 neue Bergmanns-Eigenheime mit 142 Wohnungen und 68 Mietshäusern mit 352 Wohnungen im Gebiet südlich der Schillerstraße aufgestockt.

Im Jahre 1962 wird, aus dem Saarbergbau-Vorstand kommend, der 48jährige Bergwerksdirektor Dipl.-Ing. Dr. jur. Karl Georg Müller, früherer Mitarbeiter Dr. Endes, weiteres Vorstandsmitglied für Technik.

Ein neues Überprüfen der Kohlenvorräte der Ewald-Kohle AG auf wirtschaftliche Bauwürdigkeit nach Maßstäben, welche die sich verschlechternde Absatzlage setzt, führt aufgrund schlechter Ergebnisse dazu, die Kohlenförderung der Zeche König Ludwig ab 1962 auf eine Schicht täglich zu beschränken.

Im Jahre 1965 wird Betriebsratsvorsitzender Otto Wolber Aufsichtsratsmitglied der Ewald-Kohle AG.

Es werden fünf Feierschichten eingelegt. Nach Beschluß des Aufsichtsrates vom 7. Januar 1965 wird die Zeche König Ludwig nun völlig stillgelegt. Ein Sozialfond von fünf Millionen Mark sichert die Maßnahme für die Belegschaft verträglich ab.

Der Landeswirtschaftsminister veranlaßt aufgrund des Rationalisierungsgesetzes von 1963 Eintrag in das Berggrundbuch, demzufolge die Zeche Ewald Fortsetzung in dem stillgelegten Feld König Ludwig Kohlen nur gewinnen und diese in den Schächten König Ludwig nur fördern darf, wenn es die Bergbehörde zum Oberflächenschutz im öffentlichen Interesse oder aus Grubensicherheitsgründen anordnet.

Auf Antrag der Ewald-Kohle AG trennt das Oberbergamt im Jahre 1965 das Baufeld König Ludwig 7/8 durch reale Feldesteilung von der Berechtsame König Ludwig ab und gliedert es als “Ewald Fortsetzung Südfeld" dem Grubenfeld Ewald Fortsetzung an.

Die Vestisch-Märkische Wohnungsbaugesellschaft erstellt seit 1950 rd. 1200 werksgebundene Mietwohnungen und etwa 300 Eigenheime mit 565 Wohnungen. Seit 1960 geht der soziale Eigenheimbau zurück.

Bei den Bundestagswahlen erreichen die Sozialdemokraten im Raum Recklinghausen rd.50% der Stimmen.

Im Jahre 1966 scheidet Bergwerksdirektor Dr.Ing. Theodor Hillenhinrichs aus dem Vorstand der Gesellschaft.

Ab 1966 müssen Abkehrende ein Alter von 55 Jahren und 25 Versicherungsjahre unter Tage erreicht haben, um die Knappschaftsausgleichsleistung erhalten zu können.

Im Jahre 1968 ist Ministerialdirigent a.D. Hans Birnbaum Aufsichtsratsvorsitzender der Ewald-Kohle AG nach Dr. Ende. Der Kaufmann Bergwerksdirektor Möhlen wechselt aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat. Sein Nachfolger wird Bergwerksdirektor HansHenning von Werthern, vorher Märkische Steinkohlengewerkschaft.

Am 19. November 1968 beantragt die Ewald-Kohle AG bei der Aktionsgemeinschaft deutsche Steinkohlenreviere eine Einstellung der Kohlengewinnung im Abbaubereich des "ehemals selbständigen Steinkohlenbergwerks Ewald Fortsetzung 4/5", welches von 1925 bis 1931 rd. 851650 Tonnen Kohlen gefördert habe, zu Ende Februar 1969 zuzustimmen. Die Erfolge verstärkter Rationalisierung stellen sich im Kostentrend selbst unter Abstrich der Kosten für die neue 1100-mSohle im Abbaubereich der Schachtanlage 4/5 nicht ein. Die Vorräte seien nach Lage und Geologie ungünstig und der Zuschnitt der neuen Sohle erlaube eine Konzentration des Abbaus auf das Baufeld der Schachtanlage 1 /3. Das Ergebnis würde verteuert, wenn das Baufeld 4/5 nicht stillgelegt werde. Die Sache lasse keinen Aufschub zu. Soziale Härten werde es nicht geben.

Am 27. November 1968 wird für den Steinkohlenbergbau des Ruhrgebiets die Ruhrkohle Aktiengesellschaft gegründet. Ziel der Ruhrkohle AG ist, auf der Grundlage des Kohleanpassungsgesetzes von Mai 1968 durch Stillegen leistungsschwacher und Verbund nachhaltig starker Zechen die Erzeugung den Absatzmöglichkeiten anzupassen. Die alten Bergbaugesellschaften verpflichten sich, die neue Gesellschaft mit 600 Millionen Mark Grundkapital auszustatten zwanzig Jahre auf Gewinnabführung zu verzichten und ihr Bergbauvermögen auf die Ruhrkohle AG gegen eine Einbringungsforderung von rd. 2,1 Milliarden Mark zu übertragen, welche Ruhrkohle AG in zwanzig Jahren zu tilgen und mit 6% zu verzinsen hat. Ein Hüttenvertrag verpflichtet die Altgesellschaften zum Abnehmen und Ruhrkohle AG zum Liefern des gesamten Kohlenbedarfs der Hütten auf zwanzig Jahre zu Preisen des freien Kohlenmarktes, entsprechend ein Kraftwerksvertrag zu Preisen des freien Brennstoffmarktes. Beihilfen durch die Bundesrepublik und Bundesländer zu kostendeckenden Erlösen werden nicht ausgeschlossen.

BILD 129 Tagessituation Ewald Fortsetzung Südfeld

Die Altgesellschaften erklären sich mit der Montanmitbestimmung auf allen Ebenen der Ruhrkohle AG und mit zusätzlichen Direktoren für Personal- und .Sozialwesen auf den Zechen einverstanden. Der Arbeitsschutz wird eigenes Fachgebiet.

BILD 130

Ab Januar 1969 werden die Zechen im Namen und für Rechnung der Ruhrkohle AG geführt.

Am 1. Dezember 1969 unterzeichnen die Altgesellschaften die Einbringungsverträge und übergeben Belegschaften und Bergbaubetriebe an die Ruhrkohle AG, die u.a. 52 Zechen mit 85 Millionen Tonnen Jahresfördervermögen, 29 Kokereien mit 26 Millionen Tonnen Jahreskokserzeugung, 20 Zechenkraftwerke mit 950 Megawatt Leistung und 186000 Beschäftigte übernimmt, darunter auch Ende November 1969 die Zeche Ewald Fortsetzung mit Kokerei.

Das Kraftwerk Ewald Fortsetzung geht an die Steinkohlen-Elektrizität AG, mehrheitlich Ruhrkohletochter. Die Zeche kommt mit den Zechen General Blumenthal, Schlägel & Eisen und Westerholt der Hibernia AG, Fürst Leopold der Hoesch AG, Wulfen der Stinnes AG und Brassert der Rheinstahl Bergbau AG zur Ruhrkohle Betriebsführungsgesellschaft Bergbau AG Herne/Recklinghausen. Diese erhält ein Jahresfördervermögen von 9,8 Millionen Tonnen Kohlen aus einer Berechtsame von 509 qkm, eine Jahreserzeugung von 3,3 Millionen Tonnen Koks und 21 Millionen Mark Grundkapital. Es ist die Zechengruppe vier der insgesamt sieben Betriebsführungsgesellschaften bzw. Zechengruppen.

Vorstandsmitglieder der Bergbau AG Herne/Recklinghausen sind die Bergwerksdirektoren Dr. Heiner Weber als Sprecher, vorher Hoesch AG, Dr. Herbert Wegehaupt für Technik, vorher Hibernia AG, Dr. jur. Jürgen Hertz-Kleptow als Kaufmann, vorher Fried. Krupp Bergwerke AG, und Hans Holobar als Arbeitsdirektor; dieser war nach schwerem Unfall als junger Bergmann lange Jahre in der Verwaltung der Zeche und auf christlich sozialem Gebiet und kommunalpolitisch tätig.