5-2 Arbeitsbeschaffungspläne und Förderverbund König Ludwig

 

 

Bereits im Jahre 1933 kalkuliert der Betriebsinspektor Obertüschen Arbeiten, Material und Kosten für täglich 3.000 Tonnen Kohlenförderung von der 800m-Sohle im Schacht 2.

Im Baufeld 1/3 sieht er im Hauptsüden zwei Streben zu je 150 Tonnen Kohlen aus Flöz Zollverein 6, im Hauptnorden drei Streben zu je 35 Tonnen Kohlen täglich aus Flöz Ida und vier Streben zu je 50 Tonnen täglich aus Flöz Röttgersbank, zusammen 600 Tonnen Kohlen je Tag vor.

Das Baufeld 4/5 soll 2.400 Tonnen Kohlen täglich liefern, und zwar aus vier Streben Flöz Karl-Friedrich je 480 Tonnen, aus zwei Streben Flöz Albert je 140 Tonnen und aus zwei Streben Flöz Robert je 120 Tonnen Kohlen.

Voraussetzung sei allerdings, sämtliche Schächte mit neuen Seilen zu versehen. Ferner seien im Baufeld 1/3, im den südlichen Hauptquerschlägen, auf der 600- bzw. 800m-Sohle insgesamt 1100 m durchzubauen und in Beton bzw. Stahlausbau zu setzen. Der Umfang der Unterhaltungsarbeiten im Baufeld 4/5 auf der 700- bzw. 800m-Sohle betrage etwa 600m. Außerdem seien 500m Richtstrecke in Betonausbau fertigzustellen. Das Gleisnetz im Baufeld 1/3 sei auf 108er Schienen umzustellen. 4000 Förderwagen wären mit stärkerem Unterbau und Kupplungen zu versehen und 10 Förderhäspel, 2200m Schüttelrutschen mit Antrieben, 2200m Kupplungsrohre, 6000m Druckluftrohre und ein Luftkompressor von 40.000 cbm/h müßten beschafft werden. Alles zusammen ohne Lokomotiven für 2,3 Millionen Mark.

Im Herbst 1933 muß Generaldirektor Hollender dem Regierungspräsidenten schriftlich die bereits öfters vorgebrachten Gründe für die Schließung der Zeche Ewald Fortsetzung erläutern und faßt zusammen: "Würde man Ewald Fortsetzung in Betrieb nehmen, so hieße das, den Teufel mit Belzebub auszutreiben und vier Schachtanlagen, die sich bei den heutigen Verhältnissen noch knapp halten, zur Unfruchtbarkeit zu verurteilen." Er sagt aber zu, mehrere hundert Erkenschwicker Bergleute 1934 und weitere Bergleute später durch beschleunigtes Aufschließen des Südfeldes Ewald Fortsetzung von König Ludwig aus zu übernehmen, und schließt: "Wir geben ausdrücklich hiermit die Erklärung ab, daß wir uns der Verantwortung der uns gestellten Aufgaben in vollem Umfang bewußt sind und die feste Absicht haben, die sozialen Belange nicht nur unserer gegenwärtigen Belegschaft, sondern auch die berechtigten Ansprüche der alten Belegschaft von Ewald Fortsetzung so weit miteinander in Einklang bringen zu wollen, als dies im Interesse des allgemeinen Wohles irgendwie möglich ist."

Anfang 1934 überreichen der Berghauptmann Polster vom Oberbergamt Dortmund und der Regierungspräsident dem Stahlindustriellen Staatsrat Dr. jur. e.h. Fritz Thyssen eine im Auftrage Polsters durch den Bergrat vom Bergrevier Recklinghausen 1 angefertigte gutachtliche Stellungnahme. Diese sieht als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme bei einem Voraufwand von rd. 0,8 Millionen Mark eine einschichtige Förderung an den Schächten in Rapen von 1.000 Tonnen Fettkohlen je Tag mit rd. 10% Bergen und etwa 30% Stüchkohlenanteil aus langen, flachen Streben mit reinen Flözen vor. Ferner ist von Ewald Fortsetzung Gegenortsbetrieb zu dem von König Ludwig 4/5 aus in das Südwestfeld Ewald Fortsetzung 1/3 gefahrenen Vortrieb vorgesehen, um den Durchschlag mit König Ludwig zu beschleunigen und Seilfahrt an den Schächten 1/3 für den Abbau an der Grenze nach König Ludwig zu ermöglichen.

Im Mai 1934 übersendet Dr. Theo Matthes, Beigeordneter des Amtes Datteln und der Gemeinde Oer-Erkenschwick, Hollender ein mit dem Reichsstatthalter Gauleiter Dr. Meyer vereinbartes "Erkenschwicker Notprogramm" mit Auflistung von Einsatzmöglichkeiten aus seiner Sicht für 1.762 Mann in den Jahren 1934/35, von denen 600 auf der Zeche einschließlich Stickstoffwerk, 200 für Notstandsarbeiten, 300 für den Bahnbau Recklinghausen-Erkenschwick-Olfen, 100 für die Reichsautobahn im Bereich Suderwich, 200 für die Verbreiterung des Dortmund-Ems-Kanals, 100 für Sandgewinnung und neue Industrien, 50 für die Lipperegulierung, 50 für Forstarbeiten und 162 für die Umsiedlung vorgesehen sind.

Dr. Matthes wendet sich gegen die nur nach hohen Neuinvestitionen übliche Fördermengenzuteilung durch das Kohlensyndikat und hofft auf Bereinigung durch die nationalsozialistische Führung, die ja auch die Schließung der Zeche Sachsen in Heessen verhindert habe. Auch müsse das Arbeitsamt der Zeche König Ludwig in Recklinghausen zunächst nur Erkenschwicker Bergleute zuweisen. Das verarmte Oer-Erkenschwick könne mit seiner Unzufriedenheit die Staatsautorität gefährden, zumal es früher eine berüchtigte Hochburg des Kommunismus gewesen sei. Er hoffe, daß es dem früher im Bergbau tätigen Gauleiter Dr. Meyer gelingen möge, "der in grenzenlosem Vertrauen zum Führer Adolf Hitler aufblickenden Bevölkerung" wieder zu Arbeit und Brot zu verhelfen und verweist dann auf das Gutachten des Bergrats Hilgenstock.

Juni 1934 kann Hollender zwar die Aufnahme von 707 Erkenschwicker Bergleuten auf König Ludwig vermelden, widerspricht aber dem Ansinnen, in Rapen 1000 Tonnen Kohlen täglich fördern zu sollen; für Fettstückkohle sei kein Markt vorhanden und es komme auf die Leistung an; man könne "Läpperbetriebe" wirtschaftlich nicht aufrechterhalten. Weiter verlangt Dr. Matthes, die Gewerkschaft Ewald müsse wie ein Vater für seine Kinder aufkommen, weil sie die Großbesiedlung Erkenschwicks veranlaßt habe. Besser als die von Ewald-König Ludwig angestrebte Zechenzusammenfassung seien gesunde Mittelbetriebe nicht zuletzt wegen ihrer geringeren Gefährdung durch kriegerische Angriffe aus der Luft. Auch müsse das Syndikat aus nationalsozialistischer Gesinnung die Fördermengen gerechter zuteilen und die Reichsbahn könne zum Stückkohlenbezug veranlaßt werden. Für die Einrichtung untertägigen Gegenortsbetriebs nach König Ludwig sprächen auch psychologische Gründe.

Betriebsinspektor Obertüschen überlegt 1934, im Baufeld 1/3 aus den steilen Streben 30 bis 50 Tonnen und aus den flachen Streben 150 Tonnen Kohlen täglich zu fördern; dagegen seien im Baufeld 4/5 je Streb 150 bis 300 Tonnen Kohlen zu erzielen. Bei einer Förderung von 1500 Tonnen Kohlen täglich allein aus diesem Baufeld plant er, aus dem 1,60m mächtigen Flöz Karl-Friedrich bei 200m Streblänge und 0,7m täglichem Verhieb mit Versatz 360 Tonnen Kohlen und aus dem 1,10 m mächtigen Flöz Ida bei 140m Streblänge und 1,35m Verhieb 350 Tonnen Kohlen täglich zu gewinnen.

Aufgrund des Hinweises von Tierschützern fragt die Bergbehörde die Zechen nach den Grubenpferden. Die Zeche Ewald Fortsetzung berichtet, die Pferde, ihre Stallungen und Arbeitsplätze würden vom Oberstallmeister und von Steigern befahren. Die Pferde würden von Stallknechten gepflegt und von jüngeren, zuverlässigen Pferdeführern geführt und nicht geschunden. Die Leistung der Pferde liege bei 20 bis 30 Tonnenkilometern täglich in ausreichend geräumigen Strecken, und Überschichten seien sehr selten. Obwohl weniger beansprucht als Tagespferde, seien sie gut genährt, und es wurden ihnen täglich je 12 Pfd. Hafer, 20 Pfd. Heu, 4 Pfd. Futterbrot und 6 Pfd. Stroh zugeteilt; nur wenn sie krank oder verletzt seien, kämen sie zu Tage. Der zuständige Tierarzt ist 1937 Dr. Vollmer in Recklinghausen.

Die 1939 noch vorhandenen drei Pferde kommen allerdings samstags zu Tage und werden montags früh wieder nach untertage gebracht. Der letzte "Einhufer", so nennt die Bergbehörde an einer Stelle Pferde, zieht noch im Jahre 1958 Grubenberge und Material auf der 700m- Sohle in den Querschlägen 4 Ost-Nord und 5 Ost-Süd.

Obwohl Bergwerksdirektor Dr. Knepper von der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft als Führer der Wirtschaftsgruppe Bergbau Dr. Matthes im März 1935 brieflich die gemeinsame Förderung auf König Ludwig bei Seilfahrt der Erkenschwicker am Ort als sinnvoll erläutert und Berghauptmann Polster ihm im Mai 1935 schriftlich mitteilt, daß zwar Seilfahrt, nicht aber Förderung auf Ewald Fortsetzung in absehbarer Zeit beginne und dieses auch begründet, verfaßt Dr. Matthes, inzwischen auch Kriegswirtschaftsberater der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, im Juli 1935 eine weitere gedruckte Kampfschrift unter dem Titel "Gebt deutschen Bergleuten wieder Brot" bzw. "Helft Erkenschwick." Diese Denkschrift kommt auch Dr. Ley zur Kenntnis, dem Leiter der Deutschen Arbeiterfront.

Der Berghauptmann Polster erklärt dazu Anfang August 1935, die Felder König Ludwig und Ewald Fortsetzung seien eine Einheit und würden zweckmäßig nach einem einheitlichen Plan ausgebeutet. Nach heutigen wirtschaftlichen Grundsätzen würden Förderung, Verarbeitung und Verladung der Kohlen auf einer Anlage zusammengefaßt. Dies solle auf König Ludwig 4/5 in Suderwich geschehen und sei von sachverständigen Personen nach technischen und wirtschaftlichen Grundsätzen ausgearbeitet worden. Auch lägen drei Gutachten bewährter Sachverständiger vor, nämlich des Generaldirektors Dr. Knepper von der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft, des Generaldirektors Kellermann von der Gutehoffnungshütte und des Bergwerksdirektors Dr. Ing. Roelen von den Thyssenschen Gas- und Wasserwerken; ein besonderes bergwirtschaftliches Gutachten durch die Bergbehörde erübrige sich daher.

Bereits ab Jahresende soll ein erheblicher Förderanteil von Ewald-König Ludwig aus dem Felde von Ewald Fortsetzung geholt werden. Nach jüngsten Aufschlüssen im Südwestfeld sei das Flöz Katharina mindestens auf 800m streichend bauwürdig und lasse Großbetriebe zu.

Die Fahrung der Erkenschwicker von Ewald Fortsetzung aus solle mit Beginn des Abbaus einsetzen. Es werde im Felde Ewald Fortsetzung ein Dauerbetrieb eingerichtet, der mit etwa 1000 Tonnen Kohlenfördermenge täglich Ende 1935 beginne. Anfahrende und Belegschaft im Felde Ewald Fortsetzung würden entsprechend einer höheren Feldesbeaufschlagung zunehmen. Die Vereinigung der Förderung auf König Ludwig 4/5 koste im wesentlichen nur die Mittel für die dortige Fördermaschine und die Einrichtung der neuen gemeinsamen Sohle von König Ludwig 4/5 und Ewald Fortsetzung.

Das Gutachten Hilgenstock sehe das Heben von 1000 Tonnen Kohlen aus dem durch eine Störung von dem eigentlichen Feld König Ludwig 4/5, abgeschnittenen Feldesteil der selbständigen Schachtanlage Ewald Fortsetzung 4/5 vor, was aber erst wirtschaftlich sei, wenn dieser Schachtanlage rd. 4.000 Tonnen Kohlenfördermenge zugewiesen werden könnten. Nachteilig sei dann immer noch, daß Aufbereitung und Verarbeitung der Menge nur auf der Anlage Ewald Fortsetzung 1/3 erfolgen könne. Eine besondere Förderquote könne der Schachtanlage nur auf Kosten der anderen Zechen zugeteilt werden und würde die Notlage nur verschieben. Weiter heißt es: "Im übrigen schweben Verhandlungen, die Ausbeute des Feldes Ewald Fortsetzung 4/5 von dritter Seite aus zu betreiben. "Ein Eingehen auf den Vorschlag der Denkschrift, aufgrund des Allgemeinen Berggesetzes Ewald-König Ludwig das Bergwerkseigentum Ewald Fortsetzung zu entziehen, erübrige sich daher." Soweit der Berghauptmann.

Der Kampf um die Zeche geht weiter.
Anfang 1936 überreicht der Gemeindeschulze Alex Grüter dem Ehrenbürger der Gemeinde Oer-Erkenschwick, Ministerpräsident Hermann Göring die Matthes-Denkschrift.

Im April 1936 bezieht Hollender Göring gegenüber äußerst ausführlich Stellung und geht auf die einzelnen Punkte der Denkschrift "zur Wahrung der Interessen der von mir geleiteten Gesellschaft, der die Zeche Ewald Fortsetzung gehört", wie er sich ausdrückt, ein. Die Zechen der Gesellschaft seien so ausgelastet, daß sie die Abschreibungen verdienten. Da zusätzlich noch 60 Millionen Mark Bankschulden zu verzinsen seien, wäre jede Störung des Systems verheerend.

Die "reinen Zechen" seien auf Verkauf ihrer Erzeugnisse angewiesen und könnten nicht wie die Hüttenzechen aus einer Belebung der Eisenindustrie Nutzen ziehen. Zur Rettung der Gewerkschaften Ewald und König Ludwig habe man, sich durchaus der Verantwortung für die Gemeinde Oer-Erkenschwick bewußt, die mehrjährig Verlust bringende Grube Ewald Fortsetzung schließen müssen. Bereits vor Eingreifen der Behörden seien möglichst viele Erkenschwicker Bergleute auf König Ludwig eingestellt worden; inzwischen seien es 900 Mann. Würde man aber 600 Bergleute zusätzlich einstellen, so ginge dies zu Lasten von Belegschaft, Fördermenge und Ergebnis der Schwesterzechen.

Man wolle innerhalb Jahresfrist mit Seilfahrt in Erkenschwick 1.600 Tonnen und nach drei Jahren 3.000 Tonnen Kohlen zusätzlich aus dem Feld Ewald Fortsetzung auf König Ludwig 4/5 zu Tage fördern, weil der Markt eine nur auf König Ludwig mögliche Mischung der Kohle mit König Ludwig-Kohle verlange.

Dem Hilgenstock-Gutachten sei jeder tatsächliche Wert abzusprechen. Schon mit einem verhältnismäßig geringen Aufwand von einer Million Mark für einen Förderschacht könne König Ludwig 4/5 7.200 Tonnen Kohlen täglich heben. Riesenhaft dagegen seien 1932 die 95 Millionen Mark Schulden gewesen und riesenhaft sei die Verantwortung, Torheiten zu vermeiden, die das mühsam und kunstvoll errichtete Gebäude der Sanierung bis in seine Grundfesten erschüttern würde. Die anderenorts zu Verflüssigung vorgesehenen 0,5 Millionen Tonnen Kohlen lägen innerhalb der Gesamtkohlenfördermenge und nicht außerhalb derselben. Das jetzt wirtschaftlich arbeitende Stickstoffwerk sei keine Fehlspekulation, sondern nur außergewöhnlich finanziert und zu spät gebaut worden. Ein Ausbau des Werkes bringe nur wenig zusätzliche Arbeitsplätze und Pläne für eine Kohleverflüssigung seien längst erarbeitet worden. Selbst wenn eine solche Anlage bezahlt werden könne, ergäben sich nur wenige neue Arbeitsplätze. Den Vorwurf jahrelangen Raubbaus und erhöhter Gewinnausschüttung müsse er als unglaubliche Unterstellung zurückweisen.

In den nächsten Tagen würden von 200 Berglehrjungen der Gesellschaft 30 aus Oer-Erkenschwick am Ort herangezogen. Die Lohnsummensteuer fliege Oer-Erkenschwick voll zu und Ertragssteuern ergäben sich vorläufig überhaupt nicht. Oer-Erkenschwick würde steuerlich jedoch wahrscheinlich Betriebsstätte, weil dort Selbstverbrauchs- und Deputatkohlen gefördert werden sollten. Die Gemeinde müsse mit der Entwicklung von König Ludwig nach Ewald Fortsetzung zufrieden sein. Göring möge stärkere Hilfe für die Gemeinde der Entwicklung von Ewald-König Ludwig überlassen. Ob und wann Ewald Fortsetzung wieder fördern könne, müsse vielleicht in einigen Jahren neu überprüft werden.

Der zwecks Förderanschluß mit König Ludwig von Ewald Fortsetzung aus aufgefahrene südwestliche Wetterquerschlag, der bereits 1935 auf der 600m-Sohle mit Flöz Katharina im 6. östlichen Querschlag König Ludwig durchschlägig wurde, wird 1936 gleichfalls auf der 700m-Sohle durchschlägig, ebenso die 700-m-Sohle mit dem Ostfeld der Zeche König Ludwig 4/5. Der Abbau des Westfeldes Ewald Fortsetzung wird von dort aus vorbereitet.

Dem Oer-Erkenschwicker Bergmann werden 1936 in einem Schaukasten im Lichthof Arbeitsschuhe für 7 Mark, Helme zu 3 Mark, Handschuhe, Schutzbrillen, Knieschutz zu 5 Mark und Verbandspäckchen empfohlen; Grubenhelme beginnen sich durchzusetzen.

Das Heer wirbt unter jungen Bergleuten, die ihrer Wehrpflicht noch nachkommen müssen, um Freiwillige mit mathematisch-physikalischen, vermessungs- und maschinentechnischen Vorkenntnissen für vollmotorisierte Beobachtungsabteilungen der Artillerie und wendet sich an angehende Berg- und Vermessungsingenieure.

Bereits Anfang 1937ist für Dr. Knepper die Wiederaufnahme der Kohlenförderung in Erkenschwick eine "beschlossene Sache", weil das Feld Ewald in Herten wegen geringer Größe und erreichter Teufe nicht stärker belastbar sei und König Ludwig in Suderwich ohne viel Geld nicht auf über 8000 Tonnen Kohlen täglich gebracht werden könne; die Zeche Ewald Fortsetzung dagegen könne mit wenig Aufwand für 4000 Tonnen Kohlen je Tag entwickelt werden.

Der Betriebsdirektor Wehrmann hält bei einer Fördermenge von 2.500 Tonnen Kohlen täglich eine Revierleistung von 4 Tonnen Kohlen je Mann und Schicht für unbedingt erforderlich. Dieses Ziel sei aber im Feld Ewald Fortsetzung mit derzeitiger Technik bei einer ordnungsgemäßen Betriebsführung "unter angemessener Verteilung der Kohlengewinnnung auch auf die weniger günstig ausgebildeten Feldesteile", d.h. ohne positiver Flözauslese nicht erreichbar. Im Südwesten stünden nur Fettkohlen in den Flözen Katharina und Gretchen-Anna an, in denen höchstens 2 bis 3 Tonnen Kohlen Revierleistung erzielbar seien. Im Baufeld 4/5 hingegen erwartet Wehrmann nach den Aufschlüssen auf der Zeche Emscher Lippe in den Flözen Karl-Friedrich und darunter bis einschließlich Dickebank mit 3,6 Millionen Tonnen Kohlenvorrat einschließlich Oberwerksvorrat 4 Tonnen Kohlen je Mannschicht Revierleistung.

Aus Flöz Karl-Friedrich könnten 1938 aus zwei Großbetrieben zusammen täglich 1500 Tonnen Kohlen möglicherweise sogar mit 5 Tonnen Revierleistung kommen, wenn die Behörde Sparversatz- und Blindortbetriebe gelten lasse. Aus der gesamten Flözpartie müßten dann 2000 Tonnen Kohlen täglich bis acht Jahre lang durchhalten und mit 250 Gesteinshauern täglich Ausrichtung betrieben werden. Der Rest müsse aus dem Flöz Blücher oder dem Flöz Zollverein in der Abteilung 1 West-Nord kommen. Bis dahin müßten 150 Mann über 10 Monate noch rd. 3500m Streckennetz wiederherstellen sowie 3500m Rohrleitungen und 5000m Gleis neu verlegen für insgesamt 0,6 Millionen Mark ohne den Aufwand für die acht bestellten Lokomotiven. Danach sei unter Einschluß von 250 Ausrichtungsschichten, 25 Beamtenschichten und 300 Schichten für den Tagesbetrieb mit 1,65 Tonnen Kohlen je Mann und Schicht Gesamtleistung zu rechnen.

Zwecks Wiederaufnahme der Kohlenförderung in Erkenschwick setzt Hollender den Gauleiter Dr. Meyer im April 1937 mit den gleichen Begründungen unter Druck, mit denen Dr. Matthes ihn selbst bedrängte: Um den Plan durchzuführen, habe seine Gesellschaft 11 Millionen Mark angesetzt, was bei einem Buchwert der Zeche von immer noch 27 Millionen Mark nach Abschreibungen von 6 Millionen Mark seit 1929 nicht wenig sei. Die Entwicklung solle bereits 1938 "zu einem vollen Aufblühen der Zeche führen", was jedoch "über Nacht schwersten Gefahren ausgesetzt sei, wenn der Gauleiter nicht sein ganzes Ansehen für das Anliefern notwendigster Maschinen für den Tagesbetrieb und die Grube und großer Mengen Rohre und eisernen Strecken- und Strebausbaus einsetze. Ewald-König Ludwig habe sich als einzige Gesellschaft des Bezirks entschlossen, als Beitrag zum Vierjahresplan eine stillgelegte Zeche wieder zu beleben. Das "gläubige Vertrauen" der darauf hoffenden Gemeinde, die früher als "Hochburg des Kommunismus" habe bezeichnet werden dürfen, würde durch ein Scheitern des Planes wegen fehlenden Eisens auf‘s schwerste erschüttert; er müsse wohl nicht besonders hervorheben, "was das in diesem Kessel bedeute".

Es wird vorweg ein Bedarf von rd. 8500 Tonnen Rohstahl genannt, besonders für Förderwagen, Grubenausbau und Rohrleitungen; nach Betriebsaufnahme würden für 4.000 Tonnen Kohlenfördermenge täglich laufend 340 Tonnen Stahl monatlich benötigt.

Der Bergrevierbeamte gibt 1937 weiter, gewinnungsfähige Kohle müsse restlos hereingewonnen werden, weil sonst Volksvermögen vergeudet werde. Auch sei auf mögliche Erze zu achten. Für Spurlatten seien statt Tropenholz deutsche Hölzer zu nehmen, weil Devisen für wichtigere Rohstoffe gebraucht würden. Großer Mangel an Ausbauholz zwingt mit Wissen der Bergrevierbeamten zum Vergrößern der Bauabstände und zum Einsatz dünnerer Stempel und sogar von Halbhölzern anstelle von Stempeln in Streben.

1937 wird in den teils söhligen Gesteinsbetrieben naß und in einem Aufbruch mit dem Bohrmehlabsaugverfahren trocken gebohrt. Gummianzüge für nasse Betriebe sind vorhanden. Die Tagesanlagen werden zur Wiederinbetriebnahme überholt.

Im Jahre 1937 gibt es für 120 Berglehrjungen Räume, Werkstatt und Sportplatz für zweijährige kameradschaftliche und nationalsozialistische Erziehung und Berufsvorbereitung mit theoretisch-weltanschaulichem Unterricht einmal und Sportunterricht zweimal wöchentlich unter Leitung eines Maschinenbauschulabsolventen.

Die Kokerei wird ab 1934 nicht mehr über die Reichshahn, sondern über eine 5,7km lange Tragseil-Schwebebahn für 150 Tonnen Kohlen je Stunde von der Zeche König Ludwig 4/5 in Suderwich versorgt. Die Seilbahn verlief etwa vom Schacht 3 nach Süden bis in Höhe des Bahnhofs Suderwich und dann über ein großes Kurvenbauwerk nach Westen.

Einzelangaben über Erzeugung von Kokerei und Stickstoffwerk der Zeche enden mit dem Geschäftsjahr 1934. Bis dahin erzeugt die Kokerei aus 8,4 Millionen Tonnen Kokskohlen insgesamt 6,4 Millionen Tonnen Koks, 97.000 Tonnen Kokereiammoniak, rd.308.000 Tonnen Teer, rd. 38.000 Tonnen Benzol und erhebliche Mengen Gas. Dabei werden 60 - 177 Öfen gleichzeitig betrieben. 1913 liegt der höchste Kohlendurchsatz je Ofen bei 2400 Tonnen Kohlen. 1929 beträgt dieser Wert bei einer Gesamtdurchsatzmenge von 809.000 Tonnen 5.900 Tonnen je Ofen. In der Teerdestillation werden rd. 282.000 Tonnen Teer zu Anthrazen, Waschöl, Schmierstoffen, Naphthalin und Teerpech weiterverarbeitet.

Die Kokerei fährt 1936 zusätzlich 60 Öfen wieder an und gibt über eine nach König Ludwig gebaute Leitung Überschußgas in das Ferngasnetz. Ab 1937 werden 80 weitere Koksöfen wieder angeblasen und die Nebengewinnungsanlage erweitert.

Die Stickstoffabrik erzeugt in vier Jahren bis einschließlich 1934 rd.173.000 Tonnen schwefelsaures Ammoniak. Es stellt 1935 nur noch Flüssigammoniak her und nimmt 1936 einen dritten Krackofen in Betrieb. Auf dem Stickstoffwerk läuft 1937 eine Rußtrocknungsanlage an.

Tragseilschwebebahn zwischen König Ludwig 4/5 und Ewald Fortsetzung 1/3